Wald

Private nutzen nur den halben Holzzuwachs

Wald Für Nutzung, Naturwerte und die Erholung

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Wald Für Nutzung, Naturwerte und die Erholung

78 Prozent des Aargauer Waldes gehören dem Kanton und den Gemeinden. 22 Prozent oder 10 700 Hektaren sind in den Händen von 14 000 privaten Waldbesitzern. Zu diesen suchen die offiziellen Waldstellen jetzt Kontakt.

Von Hans Lüthi

Es existiert kein Verzeichnis über dieses spezielle Gattung Aargauer, von denen nicht einmal alle im Kanton leben. Ein Teil der 14 000 privaten Waldbesitzer müsste man irgendwo in Übersee suchen. Weil man oftmals durch Erbschaft zu einem Waldstücklein kommt, wissen einige Dutzend bis einige Hundert dieser Waldeigentümer kaum mehr von ihrem Glück.

Und bei einem Teil ist die Fläche mit unter zehn Aren so klein, dass kaum ein paar Bäume drauf Platz haben. «Bei der vom Bund lancierten, erstmaligen Aktion war es gar nicht so leicht, an die Adressen der Besitzer heranzukommen», sagt Heinz Kasper, Leiter der Abteilung Wald im BVU. Dank Hilfe der Revierförster ist es gelungen, an 13 000 einen Brief zu verschicken.

Gründe für den eigenen Wald

Waldbesitz hat oft eine lange Familientradition, die Hälfte der Aargauer Bauern besitzt ein Stück Wald und nutzt das anfallende Holz auch gleich für den Eigenbedarf. Andere freuen sich darüber, weil ihnen ein Stück Natur ganz persönlich gehört. Das hat allerdings seine Grenzen: Der Wald darf nicht eingezäunt werden. «Hier besteht eine höhere Sozialpflicht, der Wald muss in der Schweiz frei zugänglich sein», betont Heinz Kasper.

Übrigens könnte man Wald auch kaufen - zu unglaublich tiefen Preisen. «Der reine Bodenpreis kostet nur 1 bis 2 Franken pro Quadratmeter, weil keine Spekulation stattfindet», präzisiert Kasper. Mit den Bäumen sind es je nach Bestand 2,5 bis 5 Franken pro Quadratmeter.

Die Holznutzung verstärken

Mit fast 50 000 Hektaren ist der Aargau ein starker Waldkanton. Bei der Knappheit an Rohstoffen und der Energie macht es Sinn, den Wald nicht überaltern zu lassen. Mit gegen 500 000 Kubikmetern Gesamtnutzung pro Jahr wird der jährliche Zuwachs im Aargau genutzt. «In den Aargauer Privatwäldern wachsen jedes Jahr rund 20 Prozent oder 100 000 Kubikmeter nach, genutzt werden aber nur 50 000 bis 60 000 Kubikmeter», erklärt Theo Kern, Geschäftsführer beim Aargauischen Waldwirtschaftsverband.

Hier liegt ein Potenzial brach, das ausgeschöpft werden soll. Dabei ergibt sich ein Preisproblem beim Abholzen von kleinen Flächen, weil der Ertrag aus dem Holzverkauf oft kaum den Aufwand deckt. Eine Koordination mit den Revierförstern ist wichtig, weil sich bei gemeinsamen Holzschlägen Synergien nutzen lassen. Unter dem Strich bleibt damit auch für die privaten Waldbesitzer ein Ertrag in der Kasse.
Kontakt für schwierige Zeiten

Darum wollen die Abteilung Wald, der Försterverband und der Waldwirtschaftsverband die privaten Besitzer erst einmal kennen lernen und sie dabei über die Entwicklungsaussichten von Wald und Holz informieren. Aber ebenso über die Naturwerte des Waldes und auch die Rechte und Pflichten, etwa bei der Freizeitnutzung. Zudem kann es nur nützen, wenn man sich für die Zeiten schwerer Stürme und den Borkenkäferplagen danach schon kennt. 

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