AHV-Ausgleichsfonds

Private Beraterfirma schreibt dem Bund ein «Drehbuch» für ein neues Gesetz

Die Beratungsfirma mit dem Akronym PwC soll ein Konzept schreiben und aufzeigen, wie sich der Ausgleichsfonds an die Anforderungen des neuen Gesetzes anpassen muss.

Die Beratungsfirma mit dem Akronym PwC soll ein Konzept schreiben und aufzeigen, wie sich der Ausgleichsfonds an die Anforderungen des neuen Gesetzes anpassen muss.

Die Institution des Bundes lässt sich für 800'000 Franken von PricewaterhouseCoopers beraten – warum ist die externe Hilfe nötig?

Das Sparschwein der Nation quiekt in Genf. Hier hat der Ausgleichsfonds für AHV, IV und EO seinen Sitz. Die Institution verwaltet 35 Milliarden Franken – das Geld gehört der Bevölkerung und bildet die eiserne Reserve der Altersvorsorge. Nur noch die Pensionskasse des Bundes bewirtschaftet ähnlich viel Geld.

Sein Auftrag ist es, die Zahlungsfähigkeit der Sozialwerke zu sichern. Doch in den vergangenen Wochen sorgte der Ausgleichsfonds regelmässig für Schlagzeilen, wenn auch meist für wenig schmeichelhafte. Mal kritisieren Parlamentarier, dass die AHV-Gelder nicht mit marktkonformen Renditen verwaltet werden. Dann wird dem Fonds vorgeworfen, die Öffentlichkeit nur spärlich über seine Beteiligungen zu informieren.

Strategen sollen helfen

Besserung verspricht sich der Bundesrat vom neuen Ausgleichsfondsgesetz, das derzeit im Parlament beraten wird. Vorgesehen ist die Errichtung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt unter dem Namen Compenswiss. Die neue Rechtsform soll es einfacher machen, Vermögen auf dem internationalen Finanzmarkt anzulegen.

Noch sind viele Details des neuen Gesetzes nicht geregelt, erst 2019 dürfte es in Kraft treten. Der Inhalt ist vom «parlamentarischen Prozess stark abhängig», heisst es beim Ausgleichsfonds wenig überraschend. Trotzdem will sich die Institution schon einmal auf alle Eventualitäten vorbereiten – aber mit externer Unterstützung: Helfen sollen die Strategen von PricewaterhouseCoopers.

Die Beratungsfirma mit dem Akronym PwC soll ein Konzept schreiben und aufzeigen, wie sich der Ausgleichsfonds an die Anforderungen des neuen Gesetzes anpassen muss. Die Verantwortlichen selbst sprechen von einem «Drehbuch». Schliesslich soll PwC auch beim Übergang zur neuen Anstalt begleitend zur Seite stehen; bei der «Durchführung der verschiedenen Schritte, Mittel und Prozesse», wie es in Unterlagen des Ausgleichsfonds heisst. Die Verantwortlichen haben PwC nach einer öffentlichen Ausschreibung mit der «Implementierung des Ausgleichsfondgesetzes» beauftragt. Auftragsvolumen: 800 000 Franken.

Mehr Spielraum bei Löhnen

Es ist Aufgabe von Verwaltungsratspräsident Manuel Leuthold, die Institution in ein neues rechtliches Kleid zu führen. Der Ex-UBS-Banker erhofft sich von der Gesetzesrevision vorab mehr Freiheit, um Spezialisten aus dem Finanzsektor einfacher anzustellen. Die Rede ist von einem eigenen Entlohnungssystem und autonomeren Anstellungsverhältnissen.

Bei den Vermögensverwaltern brauche der Fonds lohnmässig etwas mehr Raum nach oben, sagte Leuthold kürzlich der «NZZ am Sonntag». «Sonst kriegen wir nicht, was wir brauchen.»
Will der Ausgleichsfonds also ganz vorne mitmischen? Ist es kein Zufall, dass die Institution just auf PwC setzt? Das Unternehmen gehört zu den «Big Four» am Schweizer Finanzplatz und berät viele Vermögensverwalter.

Eric Breval, Geschäftsleiter des Ausgleichsfonds, lässt Fragen der «Nordwestschweiz» von der Medienstelle beantworten. Man habe einen externen Berater beigezogen, der bereits bei der Errichtung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt mitgeholfen habe. Im Übrigen sei diese Vorgehen nicht nur «angesichts der Bedeutung und der Komplexität» angebracht, sondern gängige Praxis bei «Projekten dieser Grössenordnung».

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