Privatdiner als Politsignal

U.S. President Barack Obama speaks during a joint news conference with French President Nicolas Sarkozy (L) in the East Room of the White House in Washington, March 30, 2010.     REUTERS/Jason Reed (UNITED STATES - Tags: POLITICS)

Privatdiner als Politsignal

U.S. President Barack Obama speaks during a joint news conference with French President Nicolas Sarkozy (L) in the East Room of the White House in Washington, March 30, 2010. REUTERS/Jason Reed (UNITED STATES - Tags: POLITICS)

Tauwetter zwischen Washington und Paris – Obama und Sarkozy spüren den Frühling

Stefan Brändle, Paris

Die offizielle USA-Visite Sarkozys begann mit einem «French Kiss»: Hinter einem Fenster, das heisst gut sichtbar für die Fotografen, tauschten der französische Präsident und seine Gattin Carla am Montag in New York kleine Zärtlichkeiten aus, um Gerüchten über den schiefen Haussegen im Elysée entgegenzutreten.

Nicht minder politisch war das «Privatessen», zu dem die Obamas die Sarkozys gestern Abend in ihre Wohnung im Weissen Haus einluden: Mit diesem Diner der zwei so illustren Paare tat Obama für die franko-amerikanischen Beziehungen mehr als je zuvor. Im letzten Sommer hatte er Sarkozy noch einen schnöden Korb gegeben, als er in Paris einer Einladung ins Elysée einen Familienlunch in einer Brasserie vorzog.

Das war ein harter Schlag für den Franzosen, der schon davon geträumt hatte, die Engländer in ihrer «Special Relationship» zu Washington abzulösen. Die US-Demokraten hatten aber nicht vergessen, dass Sarkozy vor Obamas Wahl noch eifrig im Bush-Fahrwasser gefahren war. Speziell blieb einzig die Kühle im bilateralen Verhältnis. Der reservierte und langsame US-Präsident, der in weiten Räumen denkt, konnte es auch persönlich nicht mit seinem expansiven und rasanten Kollegen aus Paris, der lieber intuitiv handelt. Während er ihm die kalte Schulter zeigte, schnödete dieser im Elysée gut hörbar, sein amerikanisches Gegenüber sei «nicht immer auf der Höhe». Beidseits des Atlantiks galt das Unverständnis zwischen den beiden Politstars bald als Symbol für die sich lösenden Bande zwischen Europäern und Amerikanern.

Diesem Auseinanderdriften soll das Privatdiner im Weissen Haus nun ein Ende bereiten. People- und Politfotografen standen gemeinsam parat. Allerdings haben nicht die beiden First Ladies ihre Gatten einander nähergebracht, sondern eher gemeinsame Interessen. Obama bleibt trotz seinem Sieg bei der Gesundheitsreform unter dem Sperrfeuer der Republikaner; bei den aussenpolitischen Schlüsselthemen wie Iran oder Israel braucht er die Unterstützung der Europäer.

Diesbezüglich scheint Sarkozy noch geeigneter als Gordon Brown oder Angela Merkel an. Gegenüber Teheran tritt er sogar härter auf als Washington, was Obama nur recht sein kann, um das iranische Regime zu diplomatischen Zugeständnissen zu bringen, ohne gleich selbst mit Angriff zu drohen. Als erklärter «Freund Israels», der gleichzeitig eine Zweistaatenlösung in Palästina verlangt, bietet sich Sarkozy ebenso an: Er kann – und will – sich im Nahen Osten für wirkliche Fortschritte einsetzen, ohne die Israeli gleich vor den Kopf zu stossen.

Der französische Präsident hat seinerseits alles Interesse, Obama auf seine Seite zu ziehen: Er ist seit den Regionalwahlen in Frankreich innenpolitisch stark angeschlagen und möchte den französischen G-8- und G-20-Vorsitz im nächsten Jahr benützen, um sich vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2012 international in Szene zu setzen. Diplomatischen Quellen zufolge könnte er Obamas Drängen nachgeben und eine Verstärkung des französischen Truppenkontingentes in Afghanistan bekannt geben.

Die wichtigsten transatlantischen Differenzen werden von beiden Präsidenten heruntergespielt. Das gilt namentlich für den US-Protektionismus gegen das europäische Militärtankflugzeug KC-45. Als guter Franzose liess es sich Sarkozy nicht nehmen, auch in Washington den Moralfinger zu heben: Vor Studenten der New Yorker Columbia-Universität forderte er mehr Engagement für eine internationale Finanzregulierung und gegen den Klimawandel. Von den wenigen US-Medien, die darüber grösser berichteten, wurde der französische Präsident höflich daran erinnert, dass er aus politischen Rücksichten selbst soeben eine geplante CO-Steuer gekippt habe.

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