Islamische Gemeinde

Prediger ruft zu Gewalt gegen Frauen auf – Moschee trennt sich von umstrittenem Imam

IGL-Präsident Petrit Alimi wird nach der Pressekonferenz interviewt.

IGL-Präsident Petrit Alimi wird nach der Pressekonferenz interviewt.

Die Dar-Assalam-Moschee trennt sich offenbar von ihrem umstrittenen Prediger Abdulrahman O. Doch die Verantwortlichen scheuen weiter das Licht der Öffentlichkeit. Hingegen schlägt jetzt die Stunde der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL). Der Verein will seinen Einfluss als Sprachrohr aller Luzerner Muslime deutlich ausbauen.

Mit Schlägen ihre Ehefrauen disziplinieren – dazu soll ein Imam in der Krienser Moschee Dar Assalam während einer Predigt im August aufgerufen haben. Der 38-Jährige, der neben seiner Tätigkeit in der Moschee einen Autohandel im Kanton Nidwalden betreibt, war vorübergehend verhaftet worden. Die Luzerner Staatsanwaltschaft führt nun eine Untersuchung wegen Verdachts auf Aufruf zu Gewalt.

Gestern nahm die Islamische Gemeinde Luzern (IGL) an einer Medienkonferenz zu den Vorgängen Stellung. Die wichtigsten Personen waren allerdings abwesend: Vom Moscheeverein war niemand vor Ort – angeblich, weil die Vorstandsmitglieder arbeiten mussten. So äusserte sich also die Islamische Gemeinde Luzern, die sich als Sprachrohr aller Luzerner Muslime versteht, zum Vorfall: «Wir distanzieren uns klar von Predigten mit Aufruf zu Verbrechen und Gewalttätigkeit», sagte IGL-Präsident Petrit Alimi.

Moscheeverein distanziert sich von Extremismus

Zum konkreten Vorwurf, der Imam habe zu Gewalt an Frauen aufgerufen, zitierte Alimi den Propheten Mohammed: «Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Ehefrau gut behandelt.» Glaube und Gewalt würden sich grundsätzlich nicht vertragen, so Alimi. Der IGL-Präsident erklärte, er habe selber mit dem Imam gesprochen. Dieser bestreite die Vorwürfe.

Über die genauen Umstände der Predigt hat der IGL-Präsident aber genauso wenig Kenntnis wie der Vorstand der Moschee. Alimi betont, er habe auch nichts über die brisante Vergangenheit des Predigers gewusst 

In einer Mitteilung, die der anonym bleibende Vorstand des Vereins Dar Assalam via IGL verbreitete, heisst es, man respektiere die Rechtsordnung der Schweiz und setze sich für ein friedliches Zusammenleben ein. Der Moscheeverein «distanziert sich von jeglichen Formen von religiösem, ideologischem und politischem Extremismus, Fanatismus und Gewalt, welche im Namen und unter dem Vorwand der Religionen ausgeübt werden». Konsequenterweise habe sich der Verein inzwischen von Abdulrahman O. getrennt. Nun sucht er per Inserat einen neuen Imam.

Besucher mit Schweizer Eigenheiten kaum vertraut

Die Dar-Assalam-Moschee in Kriens wurde früher vor allem von bosnischen Muslimen besucht. Heute hingegen stammen die Besucher vorwiegend aus arabischen Ländern, viele von ihnen sind Flüchtlinge. «Für sie leistet die Moschee viel Integrationsarbeit», anerkennt Petrit Alimi. Gleichzeitig ist genau dies mit ein Grund, weshalb die Moschee jetzt in der Kritik steht.

Im Gegensatz etwa zu albanischen oder türkischen Moscheen sind viele Besucher der Krienser Moschee mit den Schweizer Eigenheiten kaum vertraut. Das wiederum spiegelt sich in der Auswahl der Prediger. Andreas Tunger-Zanetti, Islamwissenschafter an der Uni Luzern, bestätigte gestern an der Medienkonferenz, es sei sehr schwierig, einen arabischstämmigen Imam zu finden, der gleichzeitig in der Schweiz gut verwurzelt ist.

Die IGL will künftig eigenständiger werden und auch der Mehrheit von Muslimen eine Plattform geben, die keinem Moscheeverein angehören. Das bedeute, dass die IGL den Moscheen stärker auf die Finger schaut. Um Negativschlagzeilen wie mit der Krienser Moschee künftig zu verhindern, will die IGL die Predigten stärker kontrollieren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1