Für einen Besuch in Luzern sind kommendes Wochenende noch 18 Airbnb-Unterkünfte frei. Die Preisspanne reicht von knapp über 100 bis gut 800 Franken pro Nacht. Ein «cozy» Luxus-Apartment bietet Dachterrasse mit Seesicht. Nur wenige Klicks sind nötig zur Reservation der «gemütlichen» Wohnung mit Interieur im Leoparden-Look. Die Übergabe verläuft in der Regel schnell und unkompliziert. Dank der Bewertungsmöglichkeit herrscht Transparenz. Airbnb ist ein attraktives Angebot, auf das Reisende ungern verzichten würden.

Jeder nutzt es und doch steht Airbnb in der Kritik von fast allen Seiten. Nicht einmal die Konsumentenschützer mögen sich vorbehaltlos vor die amerikanische Buchungsplattform stellen. Sie orteten Abzock-Fallen im Kleingedruckten.

Airbnb muss für vieles herhalten, was die Leute aufregt im Land. Oder vielmehr in mancher Innenstadt. Overtourism und steigende Mieten sind die Stichworte. In Luzern haben linke Politiker und der Mieterverband diese Woche ihre Vorschläge zur Eindämmung des Airbnb-Booms präsentiert. Wohnungen sollen nur noch privat via Airbnb angeboten werden. Besonders Firmen sind den SP-Politikern ein Dorn im Auge. Sie würden gezielt Wohnungen mieten, um diese um ein Vielfaches gewinnbringend unterzuvermieten.

Doch nicht nur in der Zentralschweizer Touristen-Hochburg wollen die Politiker den Airbnb-Boom bremsen. Auf Bundesebene gibt die Plattform seit Jahren zu reden. Und andere Schweizer Städte haben bereits auf das Geschäft mit den Airbnb-Wohnungen reagiert. Während es in Basel und Zürich vor allem darum ging, Airbnb-Gäste dazu zu bringen, Kurtaxen zu bezahlen, führte Genf eine Beschränkung für die professionelle Vermietung von Airbnb-Wohnungen ein. 90 Tage beträgt dort das Maximum pro Jahr. Bern will das Geschäft mit den Airbnb-Wohnungen sogar ganz stoppen, zumindest in der Altstadt.

Wachsendes Unbehagen im Treppenhaus

Es geht nicht nur um steigende Mieten wegen des Airbnb-Booms. Gemäss dem Luzerner SP-Politiker und Ex-Juso Chef David Roth plagt die Bevölkerung noch ganz andere Sorgen. Immer wieder höre er von verunsicherten Bewohnern in Häusern mit Airbnb-Wohnungen. Der Grund liege bei den vielen Fremden, denen sie im Treppenhaus begegneten. «Sie fragen sich», so Roth, «sind das alles Gäste oder könnte nicht auch ein Einbrecher unter ihnen sein?»

In Luzern hat die Linke auch Privatpersonen im Visier, die mit Airbnb ein Geschäft machen. Schliesslich widerspreche das dem zentralen Gedanken von Airbnb und der Sharing-Economy. Dieser liege darin, verfügbaren Raum in einer bewohnten Wohnung Anderen zur Nutzung zu überlassen. Das sei nicht nur effizient, sondern ressourcenschonend, so Roth.

Damit wäre Airbnb wieder bei seinem Ursprungsgedanken. Denn so fing alles an: Menschen boten anderen Menschen ein Bett, ein Zimmer als Bleibe an. Nicht benötigter Raum in einer Wohnung oder vorübergehend leer stehende Wohnungen wurden so genutzt. Doch das Vermieten mit Airbnb hat sich zum Millionengeschäft entwickelt.

Und weckte damit den Argwohn der Hoteliers. Denn diese erhielten mit den privaten Wohnungsanbietern gehörig Konkurrenz. Die Hotellerie störe sich indes nicht direkt an Airbnb selbst, wie ein Sprecher von Hotellerie Suisse betont, sondern an den «ungleich langen Spiessen». Die Hoteliers klagen über strenge Vorgaben, zum Beispiel beim Brandschutz, über die sich Airbnb-Gastgeber hinwegsetzen würden. «Es kann nicht sein, dass Private dieselben Dienstleistungen wie die Hotellerie anbieten können, aber wegen der lascheren Gesetzgebung zu deutlich günstigeren Rahmenbedingungen», stört sich der Sprecher.

Kreativer Umgang mit der Regulierung

Selbst liberale Politiker, wie der Zürcher IT-Unternehmer und FDP-Ständerat Ruedi Noser sehen Handlungsbedarf und befürwortet eine gewisse Reglementierung. Doch er warnt vor allzu grossen Hoffnungen auf eine eindämmende Wirkung. Beim von der SP vorgeschlagenen Luzerner Modell stelle sich die Frage, wer das kontrollieren solle. Hinzu kommt für Noser: «Die Politik riskiert, ewig das Nachsehen zu haben. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung die Kreativität der Menschen geradezu entfesselt.» Noser macht ein Beispiel. Vor wenigen Jahren waren er und seine Familie in Miami-Beach in den USA in den Ferien. Sie mieteten via Airbnb eine Wohnung. Miami-Beach hatte den Markt jedoch reguliert und Wohnungen durften ab einer gewissen Anzahl Tage pro Jahr nicht mehr an Dritte untervermietet werden.

«Ausgenommen war die Unterbringung von Freunden und Familie», sagt Noser. «Und so wartete ein bis dahin uns komplett fremder Amerikaner am Flughafen auf uns und fuhr uns zur Wohnung. Dort sagte unser Gastgeber mir direkt, es müsse den Anschein machen, als handle es sich um einen Besuch von Freunden. Damit sei alles in Ordnung.»

Obwohl der Gastgeber das System so austrickst, habe er sich eigentlich den ursprünglichen Gedanken von Airbnb zunutze gemacht, findet Noser. Dieser liege auch darin, dass Gastgeber und Gäste miteinander in Kontakt treten und etwas voneinander mitbekommen würden.