Kornel Wick

«Prävention kann viel Steuergeld sparen»

Zur Person: Kornel Wick, 38, ist von Beruf Steuerexperte und wohnt in Bremgarten. Verheiratet mit Karin Koch Wick, drei Kinder im Alter von 3, 5 und 8. Hobbys: früher Basketball, heute Familie. Wick ist Angehöriger der Leitung der Bezirks-CVP und seit 12 Jahren auch Mitglied der Steuerkommission Bremgarten. (sl)

Kornel Wick

Zur Person: Kornel Wick, 38, ist von Beruf Steuerexperte und wohnt in Bremgarten. Verheiratet mit Karin Koch Wick, drei Kinder im Alter von 3, 5 und 8. Hobbys: früher Basketball, heute Familie. Wick ist Angehöriger der Leitung der Bezirks-CVP und seit 12 Jahren auch Mitglied der Steuerkommission Bremgarten. (sl)

Kornel Wick leitete 10 Jahre den Jugendfürsorgeverein und prägte den Ausbau der Jugend- und Familienberatung.

Lukas Schumacher

Der Bremgarter Kornel Wick trat nach zehn Jahren als Präsident des Jugendfürsorgevereins zurück. Auch dank Wicks Geschick hat sich die Jugend- und Familienberatung im Bezirk Bremgarten vorteilhaft entwickelt.

Herr Wick, weshalb sind Sie zurückgetreten?
Kornel Wick: Aus familiären und beruflichen Gründen. Der Zeitpunkt des Rücktritts nach zehn Jahren Mitarbeit stimmt. Für mich waren es erlebnis- und lehrreiche Jahre.

Der Jugendfürsorgeverein ist Trägerverein der Jugend- und Familienberatung (JFB) Bezirk Bremgarten. Die Sozialeinrichtung JFB «boomt». Weshalb?
Wick: Die vielen Dienstleistungen unserer JFB sind in der Tat stark gefragt. Sie werden auch sehr geschätzt. Hauptgrund dafür sind die fachliche Kompetenz von Stellenleiter Jürgen Müller und seinen Tema-Mitarbeitenden. Sie machen einen guten Job.

Früher, in den 1980er- und 1990er-Jahren, lief es in der JFB nicht immer rund.
Wick: Stimmt, es gab damals schwierige Zeiten. Die JFB besass nicht den besten Ruf. Heute sieht es dank der guten Arbeit an der Front ganz anders aus.

Die breite Akzeptanz steht doch auch im Zusammenhang mit dem Ausbau der JFB?
Wick: Zum Teil schon. 1999 bestand das Team samt Administration aus fünf Personen. Jetzt arbeiten zehn Fachpersonen in gut 700 Stellnprozenten mit. Auch die Räumlichkeiten in Bremgarten wurden ausgebaut, und 2004 kam Villmergen als zweiter JFB-Standort hinzu.

Auch der finanzielle Aufwand ist wohl deutlich gestiegen?
Wick: Der Aufwand hat sich innert zehn Jahren ebenfalls verdoppelt. 1999 lag das Budget bei einer halben Million Franken. Jetzt beträgt es gut eine Million, wobei die Löhne samt Nebenkosten fast 90 Prozent ausmachen.

Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt?
Wick: Vor zehn Jahren behandelte das JFB-Team rund 400 Fälle. Jetzt sind es jeweils rund 700 im Jahr. Viele Fälle sind komplexer und aufwändiger geworden.

Zum Beispiel?
Wick: Oft sind vielerlei Gespräche und Abklärungen nötig. Beispielsweise wenn eine Beistandschaft für einen Jugendlichen angezeigt ist oder bei Fremdplatzierungen von Kindern und Jugendlichen. Eine sehr einschneidende Massnahme ist ein Obhutsentzug. Wenn man Kinder, die in ihrer Entwicklung stark gefährdet sind, den Eltern gegen ihren Willen wegnehmen muss, geschehen menschliche Tragödien. Abgesehen von diesen schwierigen Fällen darf man eines nicht vergessen: Immer mehr Leute schätzen die JFB als kompetente Anlauf- und Beratungsstelle bei kleineren Knöpfen.

Mit «kleineren Knöpfen» sind Erziehungsfragen , Familienprobleme oder Beziehungsschwierigkeiten gemeint?
Wick: Ja. Diese Leute kommen frewillig, sie werden nicht durch eine Behörde oder eine Institution zugewiesen. Sie möchten nützliche Ratschläge und Tipps einholen, die den Alltag erleichtern.

Die Gemeinden unseres Bezirks finanzieren die JFB jedes Jahr mit einer Million. Geht diese Kosten-Nutzen-Rechnung auf?
Wick: Bestimmt, auch wenn man das in absoluten Zahlen nicht belegen kann. Wird die JFB bei sozialen Vorkommnissen möglichst früh eingeschaltet, kann sie oft einen tauglichen Lösungsweg aufzeigen. Bei einem «Flächenbrand» ist das schwieriger. Muss ein Jugendlicher einem Heim, einem Internat oder einer therapeutischen Einrichtung zugewiesen werden, wird seine Wohngemeinde zahlungspflichtig. Das kann schön ins Geld gehen.

Mit Ausnahme von Wohlen sind alle anderen 22 Gemeinden unseres Bezirks Mitglied beim Jugendfürsorgeverein respektive bei der JFB. Wieso steht Wohlen abseits?
Wick: Die Gemeinde Wohlen hat ihr eigenes Sozialkonzept. Wenn sie dieses weiterverfolgen will, ist das selbstverständlich zu akzeptieren. Vielleicht schliesst sich Wohlen eines Tages ja doch der JFB an.

Könnte Wohlen, mit über 14 000 Einwohnern die klar grösste Gemeinde im Bezirk Bremgarten , bei einem Beitritt nicht viel Geld sparen?
Wick: Das kann man aus dem hohlen Bauch heraus nicht behaupten. Fakt ist, dass die Vertreterinnen und Vertreter der 22 Mitgliedgemeinden dem JFB-Ausbau und den damit verbundenen Budget-Erhöhungen stets deutlich zustimmen. Dies auch im Wissen, dass Prävention, eine Stärke der JFB, letztlich auch helfen kann, viel Steuergeld nicht auszugeben.

Ihr persönliches Highlight in der zehnjährigen Präsidialzeit?
Wick: Die Eröffnung der JFB-Zweigstelle Villmergen. Sie ging sehr zügig vonstatten und entsprach einem Wunsch der Bünztalgemeinden. Der Weg nach Villmergen ist für manche Gemeinde viel kürzer als jener ins Reussstädtchen.

Gab es auch einen zünftigen Tiefschlag?
Wick: Nein, den gab es glücklicherweise nicht. Eine weniger erfreuliche Episode spielte sich vor fünf, sechs Jahren ab. Die Gemeindeammännervereinigung unseres Bezirks wollte die zwei Einrichtungen Amtsvormundschaft und Jugend- und Familienberatung fusionieren. Das Vorhaben versandete. Eine Zusammenlegung hätte auch wenig gebracht und die Gemeinden wären bestimmt nicht günsstiger weggekommen.

Sie hätten jetzt Zeit, im Stadtrat Bremgarten mitzuarbeiten. Wäre doch eine reizvolle Tätiigkeit?
Wick: Grundsätzlich schon, aber im Moment nicht. Allenfalls in einigen Jahren. Priorität haben jetzt die Familie und unsere drei Kinder. Ausserdem sind wir nach wie vor auch für die Öffentlichkeit tätig. Meine Frau macht im Schulrat des Bezirks Bremgarten mit und ich in der Steuerkommission der Einwohnergemeinde Bremgarten.

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