"Bis zu zwanzig Prozent der Lokomotivführer in der Schweiz weisen Zeitkonti von teilweise weit über 150 Überstunden aus", hielt Giger in der "Thurgauer Zeitung" und im "Landboten" fest. Auch beim Einlösen der Ferien hapere es. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) regle die Gesamtarbeitszeiten. Die SBB hätten diese auch beim Lokpersonal einzuhalten, fordert der Verbandspräsident.

Jeder Lokführer habe momentan rund 15 Arbeitstage zu viel auf dem Konto, bestätigte Marian Klatt, Vizezentralpräsident des Lokomotivpersonalverbandes (LPV), die Vorwürfe auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der LPV vertrete zwei Drittel aller Lokführer, Gigers VSLF ein Drittel.

Die Folgen der stiefmütterlichen Behandlung sind gemäss Giger fatal: Weil das Image des Lokführerberufes stark gelitten habe, drohe ein Personalmangel. In den nächsten zehn Jahren gehe rund ein Drittel der Lokführer - etwa 1000 Personen - in Pension. "So lange die Attraktivität des Lokführerberufes weiter abnimmt, wird es sehr schwierig sein, Junge zu finden", warnte Giger.

Schlecht für das Ansehen seines Berufsstandes sei auch die Entlöhnung: Mit einem Einsteigerlohn von 60'000 Franken brutto inklusive 13. Monatslohn würden die Lokführer nicht gerade fürstlich bezahlt, kritisierte Giger.

Bereits erfolgt ist der Gang zum Schiedsgericht: Weil die SBB bei den Überstunden den GAV nicht einhielten, habe der VSLF das Schiedsgericht angerufen, sagte Giger.

Kein Verständnis für die Kritik der Lokführer hat die SBB: Momentan bestehe beim Lokführerpersonal der SBB ein "leichter Überbestand von 20 Stellen", sagte SBB-Sprecher Danni Härry auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Zudem bilde die SBB zurzeit 145 Lokführer aus. "Offenbar ist der Beruf immer noch sehr attraktiv", hielt Härry fest.