Als der jüdische PR-Spezialist Sacha Wigdorovits jüngst für ein Podiumsgespräch zum Nahostkonflikt angefragt wurde, stellte er den Veranstaltern eine sonderbare Bedingung: Er wollte, dass der Israelkritiker und Grünen-Nationalrat Geri Müller ebenfalls zum Gespräch eingeladen werde, obwohl er den Aargauer für einen Antisemiten hält.

In dieser Konstellation war ein verbaler Schlagabtausch vorprogrammiert und das war es auch, was der ehemalige «Blick»-Chefredaktor wohl beabsichtigte. Der Inhaber einer Zürcher PR-Agentur möchte bei der Kommunikation von jüdischen Anliegen einen Paradigmenwechsel herbeiführen: «Die traditionellen Organisationen der Schweizer Juden wehren sich nicht genügend, weil sie Angst haben, damit noch mehr Antisemitismus zu provozieren», sagt er. Dabei sei es doch genau umgekehrt: Man müsse «das verzerrte und falsche Bild von Israel in der Öffentlichkeit» korrigieren, damit antisemitische Tendenzen keinen weiteren Aufwind erhielten

«Aktive Lobby in Bern»

Mit dem Ziel, «Fakten über den Nahostkonflikt öffentlich zu machen, welche die meisten Schweizer Medien verschweigen», hat Wigdorovits in diesem Sommer mit Gleichgesinnten die Stiftung «Audiatur» gegründet und eine Internetseite aufgeschaltet, auf der regelmässig Berichte und Kommentare zum Nahostkonflikt erscheinen.

Den Eindruck, bei seinem Engagement für Israel handle es sich um einen PR-Job wie jeden anderen auch, will er vermeiden: «Ich verdiene nichts damit, sonst könnte ich mich am Morgen nicht mehr im Spiegel anschauen. Ich engagiere mich hier als Schweizer für die Meinungsbildung in der Schweiz.» Er selbst stamme aus einer jüdischen Flüchtlingsfamilie. Ein Teil seiner Verwandten, so auch seine Schwester und deren Familie, sei heute in Israel wohnhaft. Alleine deshalb sei er aber noch lange kein Freund der derzeitigen israelischen Regierung und ihrer Siedlungspolitik.

Präsentation klingt wie eine Abrechnung

Mit welcher Strategie die Stiftung «Audiatur» die Presse auf einen israelfreundlicheren Kurs bringen will, erläuterte Wigdorovits Anfang April an einem Vortrag vor der Handelskammer Schweiz-Israel. Die dazugehörige Powerpoint-Präsentation ist vor kurzem auf dem Internetportal «Infosperber» veröffentlicht worden und klingt stellenweise wie eine Abrechnung. «Journalisten sind traditionell mehrheitlich links und deshalb anti-israelisch oder anti-zionistisch», heisst es darin. Unabhängiges Denken in der Nahost-Berichterstattung attestiert Wigdorovits nur einzelnen Journalisten und Medien, als positive Beispiele werden der «Blick» und die «Weltwoche» genannt.

Unter dem Stichwort «Chancen» steht eine Liste mit Zielen, die sich «Audiatur» gesetzt hat: Dazu zählen der Aufbau einer «aktiven Lobby in Bern und gegenüber den Medien», konsequentes Reagieren auf «anti-israelische Berichterstattung» und eigene Plattformen «zur Information der breiten Bevölkerung». Neben den üblichen Instrumenten des politischen Lobbyings sieht die Strategie im Fall von einseitiger Berichterstattung auch Interventionen bei Verlagshäusern vor: «Die Reaktion erfolgt an Chefredaktoren und kritische Journalisten. In gewissen Fällen sind auch die Verleger einzuschalten.»