Katharina Arni-Howald

Teils sitzend, teils über Pläne gebeugt brüteten 14 vorwiegend mit der «Min-deren Stadt» vertraute Personen aus verschiedenen Fachbereichen über die Zukunft eines Quartiers, das zwar hübsche Winkel und beneidenswert viele Grünflächen hat, in den letzten Jahren aber arg vom Verkehr gebeutelt wurde - und unter einem nicht immer erfreulichen Liegenschaftswechsel leidet.

«Vernachlässigte Bausubstanz»

«Die Bausubstanz wird vernachlässigt, und die Berntorstrasse vergammelt», brachte es der Präsident der Vereinigung Vorstadt, Martin Tschumi, unverhohlen auf den Punkt und befand sich mit dieser Aussage in guter Gesellschaft. Zu viele Häuser gingen in den Besitz von Leuten über, die wenig Interesse daran hätten, die Vorstadt aufzuwerten und eher noch dazu beitrügen, diese zu entwerten, war man sich unisono einig.

«Wie kann man diese Entwicklung stoppen?», war denn auch die grosse Frage, mit der sich die Gruppe «Nutzung und Sicherheit» beschäftigte. «Mehr Transparenz schaffen und allenfalls eine Liegenschaftsbörse ins Leben rufen», war einer der genannten Ansätze. Ins Auge gefasst wurde auch die Möglichkeit, leerstehende Gewerberäume analog der Quartierentwicklung West vorübergehend zu einer tiefen Miete zum Beispiel an Handwerker zu vergeben, bis ein neuer Dauermieter gefunden ist.

Nicht sehr familienfreundlich

Was das Wohnen in der Vorstadt be-trifft, freuten sich die Teilnehmer über das zukünftige «Perron 1» und den «Sonnenpark», die einen modernen Mix aus Wohnen, Arbeiten und Einkaufen in die Vorstadt bringen würden. Im Argen liegt dagegen gemäss den Erkenntnissen des ersten Workshops die Ansiedlung von Familien. «Zurzeit wohnen vor allem Paare und Singles in diesem Stadtteil», erläuterte die selbstständige Architektin ETH, Susanne Asperger, die im Auftrag der Vereinigung Pro Vorstadt die beiden Workshops leitete, die gegenwärtige Situation. «Im Augenblick ist es schwierig, diesen Zustand zu ändern, denn das Wohnumfeld ist für Familien alles andere als ideal», stellte sie klar. Eine Möglichkeit, mehr Familien in die Vorstadt zu bringen, ortete man in der Reaktivierung des Kinderspielplatzes im Kreuzackerpark West. Geht es nach dem Willen der Visionäre, müsste dieser nicht schön «herausgepützelt» sein, sondern eher etwas wild und naturnah. Eine Aufgabe für den Spielplatzexperten Alex Oberholzer, war man sich einig. Laut dem Kommandanten der Stadtpolizei, Peter Fedeli, hätte der Robinsonspielplatz aber auch einen Haken: Er böte Drogendealern wunderschöne Verstecke.

Überhaupt gäbe es im Kreuzackerpark West einiges zu tun: Zum Beispiel die Umgestaltung des Rollhafens, um einen direkten Zugang zur Aare zu schaffen und eine Neugestaltung der dortigen Parkplätze. Angeregt wurde auch die Wiedereröffnung der Krumm-turmschanze und als verbindendes Element zwischen der Altstadt und der Vorstadt eine bessere Nutzung des Aareraumes. Dass auch die Aktivierung und die Auffrischung der Spitalkirche in Betracht gezogen wurde, wird die Kulturfreunde freuen.

Einig war man sich in der Gruppe «Verkehr», dass mehr Raum für Fuss-gänger und Restaurantbesitzer (Aussenbestuhlung im Sommer) geschaffen werden sollte und die Wengibrücke in ihrer jetzigen Form als Fahrbahn beibehalten werden müsse. In Betracht gezogen wurde die Einführung von Ampeln bei der Berntorstrasse, um zu vermeiden, dass sich die Busse dort kreuzen. Nachgedacht wurde auch über die Einführung von mehr Einbahnstrassen und die Schaffung einer eigentlichen Begegnungszone entlang der Aare nach dem Vorbild des Landhausquais. Von wo bis wo sich diese einst erstrecken wird, blieb allerdings noch offen.

Potenzial hinter den Fassaden

«Wir haben viele Ideen zusammengetragen, die nun in einem Bericht zu-sammengefasst und ausgewertet wer-den», sagte am Ende des Workshops Susanne Asperger. Gefreut habe sie sich vor allem über das hochmotivierte Team, das Grundlagen geschaffen habe, auf denen man nun aufbauen könne. «Hinter der abblätternden Fassade ist ein enormes Potenzial vorhanden», war sie überzeugt. Einige Vorschläge könnten bereits kurzfristig realisiert werden, für die Umsetzung anderer brauche es etwas mehr Zeit.