Kommentar

Postauto-Skandal: Schwaller gibt den Aufräumer

Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post.

Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post.

Seit Donnerstag ist bekannt: Post-Chefin Susanne Ruoff bleibt an der Spitze des Konzerns, ihr Bonus wird aber eingefroren. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller spricht ihr an einer Medienkonferenz sein Vertrauen aus. Ein Kommentar.

Nein, es ist nicht so, dass nun alle Fragen geklärt wären. Im Gegenteil. Noch immer ist vieles unklar in der Postauto-Affäre, allen voran die entscheidende Frage: Wer wusste wann wie viel über die Subventionstricksereien? Auch Urs Schwaller konnte darauf keine Antwort liefern, als er am Donnerstag vor die Medien trat. Doch der Post-Verwaltungsratspräsident hat zum Befreiungsschlag angesetzt. Nicht aus einem Akt der Verzweiflung, sondern weil er seinen politischen Instinkten folgte. 

Schwaller hat einen überzeugenden Auftritt abgeliefert. Er entschuldigte sich bei Kunden und Angestellten, die unter den Vorkommnissen leiden müssten. Gleichzeitig sprach er Post-Konzernchefin Susanne Ruoff das Vertrauen aus; allerdings muss sie vorläufig auf ihren Bonus für 2017 verzichten. In erster Linie aber inszenierte sich Schwaller als Aufklärer. Unter seiner Führung sollen die Vorfälle intern untersucht werden. «Geben Sie mir zwei Monate, um alles aufzuklären», sagte Schwaller und erinnerte dabei an einen abgebrühten Kriminalkommissar. 

Der langjährige CVP-Fraktionschef im Bundeshaus verkörpert eine Mischung zwischen magistraler Bedächtigkeit und natürlicher Autorität, die bei den Leuten gut ankommt. Ein Visionär war der Freiburger Ex-Ständerat freilich nie, aber ein Meister im Knüpfen von Allianzen. Ihm könnte es gelingen, zumindest noch mehr Schaden vom gelben Riesen abzuwenden – vor dem Hintergrund seiner Erfahrung und im Wissen darum, dass er nach seiner erst zweijährigen Amtszeit selbst nicht viel zu befürchten hat. Angezählt bleibt vor allem eine: Konzernchefin Ruoff. Sie ist bei der Untersuchung der Affäre komplett draussen, was nur konsequent ist. Umso schwieriger dürfte es für sie werden, ihren ramponierten Ruf wieder geradezubiegen. Den Aufräumer gibt ein anderer.

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