Shuttle-Bus

Postauto lanciert Bus ohne Chauffeur – unser Redaktor wagte die Fahrt

az-Redaktor Daniel Fuchs wagte eine Fahrt mit dem autonomen Shuttlebus und zeigt in seinem Video: Das Postauto ohne Chauffeur meistert einen Tannenbaum-Slalom und stoppt rechtzeitig vor einer Fussgängerin mit Kinderwagen.

az-Redaktor Daniel Fuchs wagte eine Fahrt mit dem autonomen Shuttlebus und zeigt in seinem Video: Das Postauto ohne Chauffeur meistert einen Tannenbaum-Slalom und stoppt rechtzeitig vor einer Fussgängerin mit Kinderwagen.

In Sitten sind am Donnerstagmorgen zwei selbstfahrende Busse präsentiert worden. Auf dem zentralen Place de la Planta zeigte einer der knapp fünf Meter langen Busse sein Können - inklusive sanftem Bremsmanöver vor einer Frau mit Kinderwagen.

Der Begriff Poschti erhält eine neue Bedeutung: Kleinere Postautos sah die Schweiz noch nie. Seit gestern sind zwei autonome Postauto-Shuttles im Walliser Hauptort Sion unterwegs. Die neuste Errungenschaft der Post-Tochter und Transportfirma gibt es pünktlich auf Weihnachten.

Und noch kleiner würden sie glatt als Playmobil-Autos durchgehen. «Etwas infantil», sagt der Kollege trocken, als eine Reihe Walliser Würdenträger den kleinen Elektro-Fahrzeugen dabei zusieht, wie sie einem vorgegebenen Kurs über einen abgesperrten Platz folgen. Andere fragen sich: Wo liegt bei diesen Gefährten bloss das Heck? Und wo die Front?

Hier fährt das Postauto ohne Chauffeur

Dank Sensoren können die autonomen Busse auf den Zentimeter genau fahren und Hindernissen ausweichen.

Mit weiteren sieben Schaulustigen steigen wir zu. Für 15 Passagiere wäre der Innenraum des Shuttles konzipiert. Doch noch fehlt die rechtliche Basis für den Transport von mehr als acht Personen im Strassenverkehr ohne Chauffeur. Sanft setzt sich das Gefährt in Bewegung. Langsam ruckelt es über den Pflastersteinplatz. Ingenieure des Schweizer Start-up-Unternehmens Best Mile haben vorher in Zusammenarbeit mit dem französischen Fahrzeughersteller Navya und dem Know-how der ETH Lausanne dem Gefährt die Route beigebracht.

Das geschieht mittels einer Fernbedienung für die Spielkonsole X-Box. Dank der ausgeklügelten Technik kann sich der Shuttle so das Gelände und den Streckenverlauf einprägen, um beim nächsten Mal ganz autonom der Route zu folgen. Wie auf Schienen, nur, dass es keine Schienen dazu braucht.

Sachte kurvt das Gefährt weiter über den Pflasterstein. Ein paar Weihnachtsbäumchen stehen im Weg. Gekonnt weicht das Gefährt aus und beschleunigt aufs Neue. 45 Stundenkilometer lägen drin, für die Testphase, die noch bis 2017 dauern soll, haben Postauto und Partner die Geschwindigkeitsobergrenze bei 20 km/h limitiert.

Bedrängte Bus-Chauffeure?
Das Wallis ist Postauto-Land schlechthin. Entweder sind die Dörfer hier mit einer steilen Seilbahn erschlossen – oder eben mit einem Postauto. Bisweilen von einem netten Postauto-Chauffeur gesteuert, der Einwohner, Wanderer und Skifahrer sicher über die abenteuerlichen Bergstrassen kutschiert. Spielen die Chauffeure bald nur noch die zweite Geige? Die Verantwortlichen verneinen. «Wir wollen nicht unsere Chauffeure ersetzen», verspricht der CEO der Postauto AG.

Im Gegenteil: Postauto und seine Projektpartner aus der Forschung und aus dem Wallis verstehen autonome Postautos als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Verkehr, etwa für die Erschliessung abgelegener Dörfer zu Randstunden. Dabei fassen die Verantwortlichen auch Modelle wie «On Demand» ins Auge. Taxi-Fahrer und Chauffeure des privaten Limousinen-Diensts Uber dürften sich von autonom lenkenden Bussen eher bedrängt fühlen.

Denkbar sind aber auch Shuttlebusse in Begegnungs- oder sogar Fussgängerzonen in Innenstädten. Auch deshalb findet die Testphase in der Altstadt des Walliser Hauptorts mit seinen engen Gassen und Flaniermeilen statt.

Auf dem abgesperrten Platz hält das Fahrzeug wie vorgesehen an der fiktiven Haltestelle. Automatisch öffnet sich die Tür. Eine asiatische Filmcrew dreht für eine Reportage. Die starke Walliser Wintersonne strahlt heiss durch die grossen Scheiben. Bei «extremen Witterungsverhältnissen» hätte die Vorführung abgesagt werden müssen, stand in der Einladung zur Medienkonferenz.

Bei viel Schnee könnte das smarte Auto an Grenzen stossen, erklärt der Postauto-Projektverantwortliche. Die nun initiierten Tests sollen auch zeigen, wie die hoch sensiblen Sensoren auf Schneefall und Schneewalme reagieren.

Als das Gefährt seine Route fortsetzt, taucht eine Frau samt Kinderwagen vor dem Fahrzeug auf. Plötzlich, aber sanft und mit genügend Abstand stoppt das Postauto. Die Frau, die zum eingeweihten Testpersonal gehört, kann mit ihrem leeren Kinderwagen ihren Weg fortsetzen. Eine Betätigung des Notknopfs war nicht nötig. Das raffinierte System aus Sensoren, GPS-Empfängern und Kameras bügelt auch die Fehler der anderen Verkehrsteilnehmer aus.

Bis zum Frühling wollen die Verantwortlichen ihre neuen Spielzeuge auf einem abgesperrten Privatgelände in Sion weitertesten. Liegen die nötigen Sonderbewilligungen bis dahin vor, so verkehren die beiden kleinen Shuttles bereitsn.

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