Post kommt später, aber nicht erst um vier

Laut Postchef Jürg Bucher haben alle Kundinnen und Kunden ihre Post spätestens Ende der Mittagszeit im Kasten – auch an Spitzentagen

Postbote

Laut Postchef Jürg Bucher haben alle Kundinnen und Kunden ihre Post spätestens Ende der Mittagszeit im Kasten – auch an Spitzentagen

Der Pöstler soll künftig später kommen – aber nicht so spät, wie der gelbe Riese ursprünglich geplant hatte. Ab September läuft ein neuer Test in drei Regionen mit einer Mittagspost. Der Entscheid fällt 2011.

Irina Kisseloff

«Es wird keine Nachmittagszustellung geben.» Das sagt Postchef Jürg Bucher gegenüber der Zeitung «Sonntag». Ein entsprechender Versuch in Lausanne sei abgebrochen worden. Damit ist eine Zustellung der Briefpost an Privatkunden erst gegen 16 oder 17 Uhr vom Tisch. «Alle Kunden werden auch an Spitzentagen ihre Post spätestens Ende der Mittagszeit im Kasten haben.»

Hinter den neuen Tönen aus Bern steckt Verwaltungsratspräsident Peter Hasler, wie diese Zeitung aus gut unterrichteten Quellen erfahren hat. Hasler, seit Januar Nachfolger des umstrittenen Claude Béglé an der Spitze der Post, sei vom harten Sparkurs abgerückt. Die Post mache schliesslich hohe Gewinne, da dürfe der Service Public auch etwas kosten. «Die neue Crew unter Peter Hasler und Jürg Bucher hat natürlich alle laufenden Projekte überprüft», bestätigt Post-Mediensprecher Oliver Flüeler.

Kunden besänftigen

Dieser neue Wind dürfte die Kunden wieder etwas besänftigen. Denn als die Post vor zwei Jahren ihre Testpläne für eine späte Briefzustellung bekannt machte, löste sie damit auf allen Seiten harsche Reaktionen aus. Unter anderem sprachen sich in Umfragen von «Sonntagsblick» und «24 heures» 80 Prozent der Befragten gegen die Pläne aus.

Die Post selbst gab an, dass in einer Kundenumfrage in den Testgebieten lediglich 37 Prozent dagegen gewesen seien. Dass der gelbe Riese nun den Plänen einer Zustellung am späten Nachmittag eine Absage erteilt, könnte neben Peter Hasler am Postregulator liegen. Marc Furrer forderte Anfang Juli, die Post dürfe bei der Grundversorgung keine weiteren Abstriche machen. Die Kunden reagierten zunehmend verärgert, die Post müsse deshalb einen «Marschhalt» einschalten und betreffend der Nachmittagszustellung «über die Bücher.»

Mittagspost in drei Regionen

Als die Sendung «10vor10» vor zwei Wochen bekannt machte, dass in der Ostschweiz die Zustellung bis 14 Uhr getestet werden soll, kritisierte Furrer den gelben Riesen erneut: «Eigentlich ist es zu begrüssen, wenn die Post Kosten senkt und rationalisiert, aber dann müssen auch die Kunden davon profitieren.» Die Post mache das Gegenteil: «Weniger Leistung bei gleichem Preis», sagte Furrer gegenüber «10vor10». Ganz rückt die Post aber nicht von ihrer Idee einer Veränderung der Zustellzeiten ab - trotz interner Bedenken und externer Kritik. Das von Bucher erwähnte «Ende der Mittagszeit» entspricht 14 Uhr. Bis dann soll die Post auch in Zukunft spätestens in den Briefkästen sein.

Ob die Erweiterung des Zeitfensters bis 14 Uhr die erhofften Einsparungen bringt und sich mit den Kundenbedürfnissen vereinbaren lässt, will die Post in den nächsten drei Monaten herausfinden: «Ab September wird in der Stadt St. Gallen, in ausgewählten Appenzeller Gemeinden, in Kriens, Sarnen und Hergiswil sowie in zwei Quartieren von Lausanne die Zustellung bis 14 Uhr für drei Monate eingeführt», sagt Post-Mediensprecher Flüeler. Daraufhin werde man im ersten Quartal 2011 die Erfahrungen auswerten und entscheiden, ob die Zustellzeiten auf nationaler Ebene verändert werden.

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