Bundesrat Moritz Leuenberger sagte gestern vor der ständerätlichen Fernmeldekommission, Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé habe die Abwahl von CEO Michel Kunz nicht alleine durchgeboxt. Es sei vielmehr ein eindeutiger Entscheid gewesen, ein Entscheid ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung. Kunz wäre demnach mit 8 zu 0 stimmen in die Wüste geschickt worden.

Bei einer zweiten Abstimmung über den Zeitpunkt des Rücktritts seien sechs Verwaltungsräte für die sofortige Entlassung von Kunz gewesen. Drei hätten sich der Stimme enthalten.

Sagt Leuenberger die Wahrheit?

Laut einem Bericht von Radio DRS stimmt das nicht. Das Radio beruft sich dabei auf drei voneinander unabhängigen Quellen. Danach ist der Entscheid, dass der Postchef gehen müsse, nach chaotischem Verlauf der Abstimmung mit sechs Stimmen dafür bei drei Enthaltungen gefallen. So sei es auch im Protokoll der Sitzung festgehalten, so Radio DRS.

Leuenbergers Departement reagierte darauf postwendend und stellte gegenüber verschiedenen Medien den Sachverhalt so dar: Im Protokoll stehe tatsächlich nichts von einem 8:1-Resultat, erklärt Departements-Sprecher Dominique Bugnon gegenüber «Blick.ch. «Dennoch gab es zur Grundsatzfrage, ob Kunz gehen müsse, in einer Abstimmung tatsächlich acht Ja-Stimmen, so wie es Leuenberger gestern erläutert hat», sagt Bugnon. Unterschlagen hat Leuenberger hier jedoch die Gegenstimme.

Danach habe es eine zweite Abstimmung über den Zeitpunkt des Abgangs stattgefunden, diese sei mit 6 zu 3 ausgegangen. Das hat Leuenberger gestern so erklärt.

Verwaltungsrats-Mitglied Rudolf Hug hat gemäss Bugnon in der Sitzung beantragt, dass nur die zweite Abstimmung im Protokoll vermerkt werde. Und so geschah es denn auch. Wieso Hug darauf bestanden hat, kann Bugnon nicht sagen. Hug einer der beiden Verwaltungsräte ist, die später aus Protest gegen Béglés Führungsstil und dessen Auslandspläne zurückgetreten sind. (rsn)