Leuenberger
Post-Debakel: Leuenberger muss vor Ständeratskommission

Die Wirren um die Schweizerische Post werden immer grösser. Die Mitglieder der Verkehrskommission des Ständerats hoffen auf klärende Worte von Bundesrat Moritz Leuenberger.

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Bundesrat Leuenberger (Archiv)

Bundesrat Leuenberger (Archiv)

Keystone

Irina Kisseloff

Heute um 14 Uhr muss Bundesrat Moritz Leuenberger vor die Verkehrskommission des Ständerats treten. Thema: die Post. Die Kommission hat nach den jüngsten Turbulenzen an der Postspitze kurzfristig eine Anhörung von Leuenberger auf die Traktandenliste genommen.

Man darf gespannt sein, wie Moritz Leuenberger sich verteidigen wird. Am Wochenende sind neue Vorwürfe rund um sein Vorgehen bei der Auswahl von Claude Béglé als Nachfolger von Anton Menth an der Spitze der Post laut geworden. Die «NZZ am Sonntag» schreibt, Leuenberger habe die Suche nach einem neuen Postpräsidenten vollständig an die Headhunterin Doris Aebi ausgelagert. Er habe selbst keine Referenzen bei früheren Arbeitgebern Béglés eingeholt. Einer von diesen, ein ehemaliger Chef, liefert diese Einschätzungen in der «SonntagsZeitung» dafür nun umso deftiger nach: Er zweifle an der Loyalität von Claude Béglé.

Gygi als Wunschkandidat?

Leuenberger seinerseits distanziert sich gemäss einem Bericht der Zeitung «Sonntag» inzwischen von Béglé. Dieser sei gar nicht sein Kandidat gewesen, sagte er offenbar zu Vertrauten. Vielmehr habe er den damaligen Postchef Ulrich Gygi favorisiert. Diese Darstellung wiederum bestreiten andere Bundesräte, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben. Leuenberger habe eindeutig Béglé als seinen Kandidaten vorgeschlagen.

Für Rolf Büttiker (FDP), Mitglied der Verkehrskommission des Ständerats, ist klar: Die Verantwortung für die Wahl Béglés liegt bei Moritz Leuenberger. «Es geht nicht, nun zu sagen, man sei nicht für Béglé gewesen.» Büttiker weist zudem darauf hin, dass Headhunter nur eine Hilfestellung bei der Personalsuche seien, man aber die Verantwortung nicht an sie delegieren könne – was heute oft getan werde.

Ein seltener Sitzungsgast

Ist Claude Béglé nach den ganzen Ereignissen nicht sofort zu ersetzen? «Der Bundesrat muss nun rasch dafür sorgen, dass der Post-Verwaltungsrat funktioniert – ob mit oder ohne Béglé», sagt Büttiker. Wie der Bundesrat dies erreichen will, das solle Leuenberger heute erklären, fordert Büttiker. Zudem möchte er Genaueres zu der viel diskutierten, aber vagen «Auslandstrategie» (siehe Box) wissen. Das will auch Kommissionsmitglied Christine Egerszegi (FDP). Denn obwohl das Parlament derzeit die Revision der Postgesetzgebung diskutiere, seien die Auslandpläne bisher kein Thema gewesen.

Kommissionsmitglied This Jenny (SVP) will klare Worte von Moritz Leuenberger, weshalb es bei der Post überhaupt zu diesem Eklat kommen konnte. Béglé muss aus Sicht von Jenny nicht zwingend gehen. «Er wurde ja geholt, um frischen Wind in die Postspitze zu bringen.» Es sei bekannt gewesen, dass er kein Zauderer ist.

Wenn Leuenberger heute vor die Ständeratskommission tritt, ist das übrigens ein seltenes Ereignis. «Leuenberger kommt leider kaum an unsere Sitzungen», sagt Egerszegi.