Cédric Wermuth Popularität reicht nicht immer
«Popularität reicht nicht immer»

Doris Stump tritt zurück, Cédric Wermuths Chancen für einen Nationalratssitz steigen. Jetzt sagen die Parteikollegen, wie sie seine Chancen einschätzen, als Nationalrat gewählt zu werden.

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«Popularität reicht nicht immer»

«Popularität reicht nicht immer»

Maja Sommerhalder

Seit 15 Jahren politisiert SP-Frau Doris Stump in Bern. Jetzt will sie nicht mehr für die Nationalratswahlen im Jahr 2011 kandidieren. Ihren Rücktritt könnte die Chancen des ehrgeizigen Jungpolitikers Cédric Wermuth erhöhen. Denn der 24-Jährige kündigte am Samstag seinen Rücktritt als Juso-Präsident auf 2011 an; gleichzeitig bestätigte er seine Ambitionen auf ein Nationalratsmandat.

Der Badener Einwohnerrat gilt als Enfant terrible der SP. Nicht selten polarisiert er mit seinen politischen Aktionen und sorgt für nationale Schlagzeilen. Hitzige Diskussionen gab es 2009 nach seiner Hausbesetzerparty in einem leer stehenden Badener Hotel.

Eigentlich wollte er auf die teuren Mieten aufmerksam machen, doch es kam zu Sachbeschädigungen und schliesslich zu einer Strafanzeige. Möglich, dass ihm diese Affäre den Einzug in den Grossrat im Jahr 2009 kostete. Denn er landete auf der Liste der SP-Baden nur auf dem fünften Platz und ist damit zweiter Ersatz.

«Natürlich polarisiert er»

Doch diese Niederlage schreckt Wermuth nicht von einer Nationalratskandidatur ab: «Als ich für den Grossrat kandidierte, war ich erst ein halbes Jahr im Amt und noch nicht so bekannt. Ich habe auch keinen Wahlkampf betrieben.» Wie hoch er diesmal seine Chancen einschätzt, will er nicht sagen: «Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, um zu beweisen, dass ich reif bin für dieses Amt. Wenn mir das gelingt, ist alles möglich.»

SP-Aargau Präsident Marco Hardmeier glaubt, dass Wermuth durchaus in den Nationalrat gewählt werden könnte, aber: «Wir haben eine Liste mit 15 Kandidaten; viele haben intakte Chancen.» Trotzdem: Nur wenige von ihnen sind so bekannt wie Wermuth: «Popularität allein reicht nicht immer», so Hardmeier.

Für Martin Groves, Co-Präsident der SP Baden, ist Wermuths Popularität ein Pluspunkt: «Natürlich polarisiert er. Solange er aber hinter seinen Aktionen steht, ist diese Aufmerksamkeit eher ein Vorteil.» Wichtig sei aber auch, wer sonst noch alles zur Wahl antrete. «Auch wenn ich nicht immer mit Wermuth einverstanden bin, würde ich mich freuen, wenn er gewählt würde. Er politisiert mit viel Engagement.»

Auch Yvonne Feri, Präsidentin der SP des Bezirks Baden, glaubt, dass Wermuth ein «Potenzial hat». «Ob es allerdings reicht, ist offen», so die Wettinger Gemeinderätin, die selbst nach Bern will.