«Mit einem solchen Anschlagen haben wir nie und nimmer gerechnet», sagt Sebastian Vogler, Sprecher des Berner Energiekonzerns BKW.

BKW, die das umstrittene Kraftwerk in Mühleberg betreibt, hat sowohl beim Werk selbst als auch am Hauptsitz in Bern die Kontrollen verschärft. Am Haupsitz schaue man vor allem bei der eingehenden Post noch genauer hin, sagt Mediensprecher Sebastian Vogler gegenüber der az. Und: «Wir haben für einige Mitarbeiter Personenschutz eingeführt».

Axpo und Alpiq reagieren

Auch Axpo und Alpiq schauen seit heute früh noch genauer hin. Alpiq, die Kraftwerk in Gösgen betreibt, hat als Folge des Anschlages ihre Sicherheitsvorkehrungen «umgehend verstärkt», wie Sprecher Andres Werz erklärt. Was das Unternehmen im Detail vorgekehrt hat, will er nicht verraten. Auch Axpo will sich zu den getroffenen Massnahmen nicht äussern.

Auch die Bundesanwaltschaft nimmt den heutigen Bombenanschlag auf Swissnuclear in Olten äusserst ernst. Auf Anfrage der az bestätigt Sprecherin Waldburga Bur, dass die Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen unbekannte Täterschaft eröffnet hat: «Die technischen Abklärungen und die Untersuchungen laufen auf Hochtouren.» Das Gesetz sieht vor, dass die Bundesanwaltschaft immer dann die Ermittlungen übernimmt, wenn Sprengstoff im Spiel ist. Voraussichtlich morgen will die Bundesanwaltschaft über erste Erkenntnisse informieren.

Beim Anschlag gegen das AKW-Konsortium Swissnuclear in Olten wurden zwei Frauen verletzt

Beim Anschlag gegen das AKW-Konsortium Swissnuclear in Olten wurden zwei Frauen verletzt

Derweil geht in AKW-freundlichen Kreisen die Angst um, dass noch mehr Briefbomben unterwegs sind.  Die Polizei hat deshalb Vorkehrungen getroffen, um die Betroffenen zu schützen. So auch den Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker, der im Verwaltungsrat des AKW Leibstadt sitzt. «Die Polizei hat mich angewiesen, meine Post vorsichtig zu behandeln», bestätigt Büttiker auf Anfrage der az.

Polizei warnt Poststellen

Doch damit nicht genug: Nach Informationen der az sind auch die beiden Poststellen, welche Briefe an Nationalrat Büttiker ausliefern, über die mögliche Bedrohung durch weitere Briefbomben informiert. Das ist einerseits Wolfwil, wo Büttiker wohnt, und andererseits Olten, wo er sein Büro hat - übrigens nur 200 Meter vom Swissnuclear-Büro entfernt, wo die Bombe explodiert ist. Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt auf Anfrage der az, dass sie den Sicherheitsdienst der Post über ihre Ermittlungserkenntnisse informiert hat.

Nach unbestätigten Informationen von dritter Seite, welche der az vorliegen, sieht die Polizei auch weitere AKW-freundliche Politiker gefährdet, so den Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof, der im Verwaltungsrat des AKW Gösgen sitzt. Dieser wollte sich auf Anfrage der az nicht dazu äussern, ob die Polizei auch bei ihm besondere Massnahmen ergriffen habe. Da müsse man die zuständigen Stellen fragen, sagte Bischof.

Post hat die Bombe transportiert

Am Abend bestätigte die Post der az, dass die Paketbombe von ihr ins Büro der Swissnuclear transportiert worden war, wo sie dann explodierte. Für das Personal der Post bestehe aber kein Risiko, sagte Post-Sprecherin Nathalie Salamin der az.

Verletzte bei einem Briefbombenanschlag in Olten

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