Politstreit
Maudets nächtliche Bürobesuche: Genfer Regierung wechselt Türschlösser aus

Staatsrat Pierre Maudet ist seinen Ratskollegen schon länger ein Dorn im Auge. Zuletzt entmachteten sie ihn sogar und schoben ihn in ein anderes Büro ab. Doch das hält den Genfer nicht davon ab, an seine alte Wirkungsstätte zurückzukehren - zu finsterer Stunde.

Benjamin Weinmann aus Genf
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FDP-Staatsrat Pierre Maudet ist für seine Ratskollegen ein ungewollter Gast.

FDP-Staatsrat Pierre Maudet ist für seine Ratskollegen ein ungewollter Gast.

Cyril Zingaro / KEYSTONE

Der Mann ist auch nach dem Eindunkeln auf Trab, das weiss man in Genf. Staatsrat Pierre Maudet ist als Nachteule bekannt. Nicht nur, dass er Mails zu später Stunde verschickt. Er spaziert auch gerne durch seine geliebte Stadt, wenn zu Hause die Lichter ausgehen. Doch nun sorgt seine Nachtaktivität für politischen Ärger.

Wie «RTS» berichtet, hat Maudet sein Büro des Wirtschaftsdepartements in der Genfer Altstadt in den vergangenen Wochen mehrfach aufgesucht. Dies, obwohl er dies seit Ende Oktober eigentlich nicht mehr dürfe. Denn der FDP-Politiker wurde damals seiner politischen Aufgaben enthoben. Der Grund: In einem internen Bericht klagten mehrere Angestellte über das miserable Arbeitsklima in seinem Departement. Die Kritik richtete sich direkt an Amtsführer Maudet, der in der Folge in ein anderes Büro fernab der Altstadt verlegt wurde. Eine Untersuchung zu den Vorwürfen läuft.

Maudet wehrt sich gegen Verbotsbehauptung

Seither seien Maudets Büro-Stippvisiten öfters vorgekommen und ohne Vorabinformation der Kantonsregierung, berichtet das Westschweizer Radio. In einem Fall sei sein Büro-Besuch von Videoüberwachungskameras aufgenommen worden, welche er selber vor vier Jahren hatte installieren lassen.

Maudet wehrt sich gegen die Darstellung, er habe sein Büro unerlaubt aufgesucht. Es sei ihm nie verboten geworden, in sein Büro zu gehen, sagt er gegenüber RTS. Er hatte sich bloss verpflichtet, keinen Kontakt zu den ehemaligen Mitarbeitenden zu haben. Die Büroschlüssel wurden ihm nicht abgenommen.

Ein halbes Dutzend Tür-Schlösser ausgewechselt

Maudet bestätigt, dass er jeweils sonntagabends oder frühmorgens in sein Büro gegangen sei. Weshalb bleibt unklar. Zudem könne man seine neue Arbeitsstätte, in welche er verlegt wurde, kaum als Büro bezeichnen. Es habe weder ein Telefon noch einen Computer.

Wie das Regionalmedium «Léman bleu» berichtet, liess Amtskollegin Nathalie Fontanet, welche das Wirtschaftsdepartement ad interim übernommen hat, zuletzt ein halbes Dutzend Tür-Schlösser austauschen. Dies verhinderte offenbar aber nicht, dass Maudet weiterhin Zugang zu den Arbeitsräumlichkeiten hatte.