Gesundheit
Politisieren mit vollem Körpereinsatz: Bäumles Herzinfarkt als Warnsignal

Stress, ununterbrochene Erreichbarkeit und Termindruck: Wie steht es um die Gesundheit unserer Bundespolitiker? Nicht sehr gut, sagen viele.

Stefan Schmid
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Martin Bäumle. key

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Erneut gibt der Gesundheitszustand eines Ratskollegen im Bundeshaus zu reden. Nach dem krebsbedingten, sofortigen Rücktritt des Glarner SVP-Ständerats This Jenny kurz vor Beginn der Frühlingssession, gibt jetzt Martin Bäumles Verfassung Anlass zur Sorge.

Der Zürcher Nationalrat und Präsident der Grünliberalen (GLP) hat Anfang Woche einen Herzinfarkt erlitten. Dies gab Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP, LU) während der Debatte bekannt. Die Gründe für den Infarkt sind nicht bekannt. Bäumle befinde sich auf dem Weg der Besserung, sagte Lustenberger. Er werde in den kommenden Wochen jedoch nur vereinzelt Termine wahrnehmen können.

Graf: Wir sind alle gefährdet

Der 49-jährige Bäumle sitzt seit 2003 im Nationalrat. Er erlitt bereits 2012 einen Schwächeanfall. Laut eigenen Aussagen waren damals «zu wenig Schlaf, Stress und zu viel und schweres Essen» ausschlaggebend für die gesundheitlichen Probleme. Bäumle verzichtete in der Folge auf mediale Auftritte und gab die Führungsverantwortung innerhalb der GLP, die er gegründet hatte, ab.

Der Fall Bäumle wirft ein Schlaglicht auf den Gesundheitszustand unserer Milizpolitiker, die einen Beruf und das politische Amt unter einen Hut bringen müssen. «Viele laufen am Limit», sagt Lukas Reimann – mit 31 Jahren einer der Jüngsten unter der Bundeshauskuppel.

Der St. Galler SVP-Nationalrat hat – angesprochen auf den Gesundheitszustand seiner Kollegen – grundsätzlich «kein gutes Gefühl».

«Potenziell sind wir alle gefährdet», sagt die Baselbieter Nationalrätin Maya Graf. Viele Politiker stünden unter Dauerstress. Dafür verantwortlich seien die vielen Termine, die sozialen Medien wie Twitter und Facebook, die ständige Erreichbarkeit sowie der Druck, in den traditionellen Medien präsent zu sein. Graf weiss, wovon sie spricht. Letztes Jahr präsidierte sie den Nationalrat und hetzte von Termin zu Termin. Ihr Rezept gegen ein Burnout: «Ich habe mein Handy immer wieder ausgeschaltet und mir Ruhepausen gegönnt.»

Reimann: Manche wollen zu viel

Auch der Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann plädiert für Ruhephasen. «Das Wichtigste ist, sich für Sport und Erholung Zeit zu nehmen.» Man könne nicht ständig unter Strom stehen. Reimann fragt sich, ob nicht einige Kollegen zu viele Ämter kumulieren. Das gehe auf Kosten der Gesundheit.

Einer, der nebst seinem Sitz im Nationalrat weitere, zeitraubende Ämter innehat, ist Kurt Fluri. Der Freisinnige ist Stadtpräsident von Solothurn und in zahlreichen Stiftungen engagiert. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Darum fühle ich mich nicht gestresst», sagt Fluri. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. «Ich schaue darauf, dass ich zu Hause nicht arbeite und mich ganz auf meine Familie konzentriere.»

Ein anderes Rezept hat Max Chopard. Der Aargauer SP-Politiker bleibt während der Sessionen in Bern, um dem Pendlerstress auszuweichen. «Ich achte auch darauf, an höchstens zwei Anlässen pro Woche teilzunehmen.» Die Sessionswochen seien dicht befrachtet. Die Herausforderung sei, sich nicht überall blicken zu lassen.

Politiker laufen am Limit

Bäumle ist nicht der erste Bundespolitiker mit Herzproblemen: Der Freiburger FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois erlitt 2012 einen leichten Herzinfarkt. Und 2007 starb die Freiburger SP-Nationalrätin Liliane Chappuis an den Folgen eines Herzinfarkts.

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