Jungwähler überfordert
«Politische Bildung soll schon in der Unterstufe integriert sein»

Viele Jugendliche sind bei Wahlen überfordert. Politische Bildung ist gefragt. Der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler hält selbst den Musikunterricht dafür geeignet.

Lina Giusto
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Meinungsbildung sollte früh Eingang in den Unterricht finden, meint Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz.

Meinungsbildung sollte früh Eingang in den Unterricht finden, meint Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz.

Welche Bedeutung hat die politische Bildung in der Schule?

Christian Amsler *: Sie hat eine grosse Bedeutung. Es ist eine grundsätzliche Aufgabe der Schulen, politisches Wissen zu vermitteln und diesen entscheidenden Beitrag leisten sie auch. Eine Institution alleine kann die Vermittlung von politischer Bildung nicht wahrnehmen. Es ist eine zentrale Aufgabe des Elternhauses und des sozialen Umfeldes, politisches Interesse zu wecken.

Die Mehrheit der Schüler befürwortet die Behandlung politischer Themen. Rund ein Drittel ist der Ansicht, dass die politischen Bildungsbemühungen nichts gebracht hätten.

Das ist keine erfreuliche Nachricht. In der Schule ist das Ziel, Wissen nachhaltig zu vermitteln. Mich würde interessieren, was der Grund für die Antwort der Schüler ist.

Wo findet die politische Bildung im Lehrplan 21 Platz?

Die politische Bildung hat einen starken Platz in der Kategorie «Räume, Zeiten und Gesellschaften» in der Oberstufe. Dort sollen staatskundliche Themen abgedeckt werden. Faktisch ist es aber kein eigenes Fach. Politische Bildung soll schon in der Unterstufe integriert sein. Die Meinungsbildung, das Tolerieren von Meinungen und die Mitwirkung soll den Jugendlichen möglichst früh als Grundlagenprozess beigebracht werden.

Wie viele Stunden pro Jahr wird politisches Wissen vermittelt?

Das hängt von den Lehrern ab, die die Schlüsselpersonen des Unterrichts sind. Eine stündliche Vorlage ist nicht nachhaltig.

In vielen Projekten animieren Jugendliche ihre Altersgenossen zum Abstimmen. Ist die Generation Y bei politischer Bildung sich selbst überlassen?

Nein, definitiv nicht. Es ist grundsätzlich sehr wichtig, dass Jugendliche unter sich Meinungsbildung durch gemeinsame Diskussionen fördern. Es ist für Jugendliche attraktiver, als von älteren Politikern gebildet zu werden. Der Austausch ist der Weg zum Ziel.

In welchem Fach würden Sie politisches Wissen unterrichten?

Definitiv nicht nur in einem Schulfach. Man kann das im Deutsch-, Geschichts-, aber auch in den Musikunterricht einfliessen lassen. Es ist ein permanenter Prozess über die gesamte Schulbildung hinweg.

Wie integrieren Sie politische Bildung im Musikunterricht?

Es kann auch einmal die Klasse den Inhalt der kommenden Musiklektionen demokratisch bestimmen! So kann auf einfache Art und Weise die konkrete Auswirkung der persönlichen Wahlstimme verdeutlicht werden.

*Der Schaffhauser FDP-Regierungsrat Christian Amsler präsidiert die Erziehungsdirektoren-Konferenz der Deutschschweiz (D-EDK).