Politiker schlagen Alarm: Immer mehr tote Velofahrer

Die Zahl der Velofahrer, die bei Unfällen ums Leben kommen, hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Für Verkehrsexperten ist klar: Der Bund muss im Rahmen von Via Sicura mehr für die Sicherheit der Velofahrer tun. Nationalrat und Pro-Velo-Präsident Steiert möchte einen Veloschutz in der Verfassung.

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Tote Velofahrer: Politiker alarmiert

Tote Velofahrer: Politiker alarmiert

Zur Verfügung gestellt

Jessica Pfister

Velofahrerinnen und -fahrer leben gefährlich: Das zeigen die neusten Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). 2009 kamen 55 Velofahrende bei Verkehrsunfällen ums Leben – das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (27).

Die Gründe für diese drastische Zunahme sind in der BfU-Statistik nicht ausgewiesen. BfU-Sprecher Daniel Menna vermutet aber, dass unter anderem die steigenden Verkaufszahlen von Fahrrädern damit zu tun haben. Im Jahr 2009 haben die Schweizer 349900 Fahrräder gekauft. Das sind 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders beliebt waren die elektronischen Velos (E-Bikes).

Erwachsene beherrschen Velo nicht

Jean-François Steiert, SP-Nationalrat und Präsident von Pro Velo Schweiz, sieht die Sache differenzierter: «Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die Velonutzung stark rückläufig. Und wenn diese Jungen erst als Erwachsene wieder aufs Fahrrad steigen, beherrschen sie es nicht mehr.» Deshalb appelliert der Freiburger an die Volksschulen, den richtigen Umgang mit dem Velo in den Lehrplan aufzunehmen. «Momentan hängt es vom Willen der einzelnen Lehrer ab, ob sie mit ihren Schülern den Velounterricht vertiefen», so Steiert.

Der SP-Nationalrat kann sich sogar vorstellen, das Velo – beziehungsweise die Velowege – in der Bundesverfassung zu verankern, analog zum Artikel zu den Fuss- und Wanderwegen. «Damit wäre klar, dass die Grundkompetenz beim Bund liegt», sagt Steiert. Momentan arbeite man mit verschiedenen Verbänden für dieses «Minimalziel».

Franziska Teuscher, Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) und Grüne Nationalrätin, findet diesen Vorschlag zwar überlegenswert, möchte aber lieber gesetzliche Änderungen anstreben. «Klar ist, dass etwas getan werden muss – diese Zahlen sind ein Alarmzeichen.» Die Nationalrätin sieht die Lösung vor allem in einer Verbesserung der Infrastruktur: «Um die Sicherheit der Velofahrer zu erhöhen, braucht es gesicherte Velowege oder verkehrsberuhigende Massnahmen.»

Doch dafür sei Geld nötig, was der Bundesrat mit der Streichung sämtlicher Zusatzeinnahmen für das Verkehrssicherheitsprogramm Via Sicura verunmöglicht habe. «Ich möchte den Bundesrat deshalb in der Fragestunde der kommenden Frühlingssession auf dieses Problem ansprechen», so Teuscher. Und spätestens Ende Jahr, wenn das Sicherheitsprogramm ins Parlament kommt, sei es an den Politikern, für die Velofahrer Verbesserungen anzubringen und zusätzliche Gelder zu sprechen.

Mehr gegenseitigen Respekt

Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) sieht die Lösung ebenfalls in einem Ausbau der Infrastruktur: «Es braucht attraktivere Velorouten, damit die Velofahrer gar nicht erst auf gefährliche Strassen ausweichen.» Er fordert aber auch alle Verkehrsteilnehmer zu mehr gegenseitigem Respekt auf: «Es nützt nichts, wenn der Autofahrer über den Velofahrer flucht und umgekehrt, es soll ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander sein.»

Erfreut war Rohrbach dafür über die leicht gesunkene Zahl der Verkehrstoten insgesamt: Während 2008 noch 357 Menschen auf den Strassen starben, waren es gemäss BfU-Statistik 2009 noch 348 (minus 3 Prozent). «Ein erster Schritt in die richtige Richtung.»