Wo die Frauen das Sagen haben
Politik: Wo die Frauen das Sagen haben

Was den Frauenanteil in der Regierung angeht, liegt die Schweiz schon jetzt über dem europäischen Durchschnitt. Am besten vertreten sind die Frauen in Finnland.

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Wo Frauen etwas zu sagen haben
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Angela Merkel Kanzlerin im Siegestaumel: Angela Merkels Freudenschrei in Südafrika.
Mari Kiviniemi Mari Kiviniemi (Archiv)
Jadranka Kosor Obama und die kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor
Iveta Radicova Premierministerin Iveta Radicova (Archiv)
Doris Leuthard

Wo Frauen etwas zu sagen haben

Keystone

Beat Rechsteiner

Es wäre eine Premiere. 26 Jahre nach der Wahl von Elisabeth Kopp zur ersten Bundesrätin könnten nun die Frauen in der Landesregierung die Mehrheit übernehmen. Zu viert, wenn auf den zurücktretenden Moritz Leuenberger eine SP-Frau folgt. Gar zu fünft, wenn auch Hans-Rudolf Merz geht und das Parlament eine Nachfolgerin wählen sollte.

Die Schweiz, die wegen der späten Einführung des Frauenstimmrechts im Ausland nicht gerade als Hort der Frauenförderung gilt, würde damit plötzlich eine Vorreiterrolle übernehmen. Zumindest in Zentraleuropa. Denn wer sich die Mühe macht und die Regierungen aller europäischen Staaten durchforstet, stellt fest: Nur in Finnland herrscht die absolute Frauenpower. Dort gibt es eine Staatschefin, eine Regierungschefin - und im Kabinett stellen die Frauen mit 11 von 20 Mitgliedern die Mehrheit. Das ist einzigartig auf dem Kontinent.

In Skandinavien die besten Chancen

Überhaupt scheinen die Frauen in Skandinavien die besten Chancen zu haben, sich an der politischen Macht zu beteiligen. In Island hat eine Premierministerin das Sagen, und die zwölf Ministerien sind je zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt. Auch in Dänemark, Norwegen und Schweden tickt die Politik in vielen Bereichen weiblich. Zwar werden dort die Regierungen von Männern geleitet, der Frauenanteil in den Kabinetten beträgt aber jeweils fast 50 Prozent.

Überraschenderweise reiht sich mit Spanien ein Land unter die Skandinavier ein, von dem man eigentlich glauben würde, die Machos seien am Drücker. Doch der sozialistische Ministerpräsident José Luis Zapatero hat neun Frauen in seine 18-köpfige Regierung berufen.

Stichwort Quotenfrauen

In der Schweiz sind bisher drei Frauen unter den sieben Bundesratsmitgliedern. Damit liegt unser Land betreffend Frauenanteil in der Regierung über dem europäischen Durchschnitt. Denn in vielen Staaten ist das weibliche Geschlecht in den Kabinetten nur schwach vertreten.

Was auffällt: In manchen Ländern gibt es jeweils einige wenige oder auch nur einzelne Ministerinnen, die so etwas wie Quotenfrauen zu sein scheinen. Sie besetzen vorwiegend Departemente, die traditionell als «typisch weiblich» bezeichnet werden, beispielsweise im Familienbereich. Entsprechend ist der Frauenanteil in den Schlüsselministerien noch geringer.

Und dann gibt es auch noch immer Staaten, in denen Frauen in den höchsten Ämtern derzeit überhaupt nicht vorkommen, beispielsweise in Weissrussland, in Ungarn oder in der Ukraine.

Merkel und die Königinnen

Die mächtigste Frau Europas kommt aus Deutschland: Angela Merkel. Die deutsche Bundeskanzlerin mischt seit Jahren mit in der ganz grossen Weltpolitik und hat bei wichtigen Gipfeltreffen auch schon dem US-Präsidenten die Leaderrolle streitig gemacht. Merkel ist eine von gerade einmal sechs Regierungschefinnen in Europa, die diesjährige Bundespräsidentin Doris Leuthard mit eingerechnet (siehe Bilderliste oben).

Nur wenige weibliche Namen sind auch in den Listen der Staatsoberhäupter zu finden. Und weil es kaum Staatspräsidentinnen gibt, müssen Monarchinnen in die Bresche springen. So sind die Königinnen Elisabeth II. (Grossbritannien), Margrethe II. (Dänemark) und Beatrix (Niederlande) zumindest formell die höchsten Personen im Lande.

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