Louis Perron, Bundesrat Johann Schneider-Ammann gerät wegen der Steueroptimierung der Ammann Gruppe zunehmend unter Druck. Dennoch weist er Interviewanfragen zurück und tritt nicht öffentlich auf, um die Hintergründe zu erklären. Verhält er sich richtig?

Louis Perron: Juristisch ja, kommunikativ nein. Er versucht offenbar, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, indem er kaum Auskunft gibt. Als Kommunikationsstrategie ist das aber falsch. Es sei denn, die Faktenlage ist schlimmer als bisher öffentlich bekannt ist.

Lässt sich eine Affäre einfach aussitzen?

Das ist in der Regel schwierig, weil ein Bundesrat nicht ewig abtauchen kann. Ob die Strategie funktioniert, hängt davon ob, wie lange die Steuerbehörde für die Überprüfung der Fälle hat. Johann Schneider-Ammann spekuliert wohl darauf, dass die Ergebnisse bald vorliegen. Wenn weiterhin neue Details ans Licht kommen, ist eine Entspannung der Lage nicht in Sicht.

Wie wirkt sich eine zurückhaltende Kommunikation auf die öffentliche Meinung aus?

Keinen Kommentar deuten viele Leute intuitiv als Schuldeingeständnis. Deshalb macht es oftmals Sinn, offensiv zu kommunizieren.

Politiker fordern von Schneider-Ammann, dass er sich den Fragen der Medien stellt. Würden Sie ihm das auch raten?

Es ist nicht immer sinnvoll, vor die Medien zu stehen. Wer von einer Frage überrascht wird, kann schnell unsouverän wirken - entsprechend gross ist der Schaden. Die negativen Auswirkungen des Nichtssagens lassen sich hingegen besser abschätzen.

Von einer Pressekonferenz würden Sie ihm also abraten?

Ja, vor der ganzen Meute ist es schwierig, die Kontrolle zu halten. Am besten geeignet wäre ein Zeitungsinterview, weil dieses gegengelesen werden kann. Ein Live-Gespräch im Fernsehen ist wohl weniger empfehlenswert.

Wird der Wirtschaftsminister die Affäre unbeschadet überstehen?

Einen Imageschaden muss er ganz sicher in Kauf nehmen, auch wenn sich die Steuerpraktiken als legal herausstellen. Die Frage ist, ob er politisch überlebt.

Warum?

An einen Bundesrat haben die Leute höhere moralische Ansprüche als an andere Unternehmer. Dazu kommt in diesem Fall eine Diskrepanz zwischen der Art, wie er sich als Patron sowie als Kämpfer für den Werkplatz Schweiz inszeniert hat, und der Steueroptimierung als Unternehmer im Ausland. Das findet die Öffentlichkeit zurecht komisch.