Polemik um Halal-Burger
Polemik um Halal-Burger

Die französische Staatsanwaltschaft eröffnet ein Verfahren gegen eine Fastfoodkette, die nur islamisch korrekte Hamburger offeriert. Die politischen Parteien sind gespalten.

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Polemik um Halal-Burger

Polemik um Halal-Burger

Stefan Brändle, Paris

Man nennt es in Frankreich «le business halal» – das Geschäft mit geschächtetem Lammfleisch. Dieser Wirtschaftszweig hat in den letzten Jahren ständig an Bedeutung gewonnen; nach zwei neuen Studien setzt er in Frankreich jährlich an die vier Milliarden Euro um. Nach den islamischen Metzgereien bieten heute in Paris, Lyon oder Marseille auch viele «normale» Restaurants und Nahrungsmittelläden Halal-Produkte an.

Quick, eine der grössten französischen Fastfoodketten, geht nun einen Schritt weiter. Acht ihrer 350 Lokale bieten nur noch Halal-Fleisch an. Vorwiegend in Banlieue-Orten zu finden, nehmen diese Imbissstätten Rücksicht auf gläubige Muslime, die nun sicher sein können, korrekt geschächtetes Fleisch zu erhalten: Das Richtung Mekka gedrehte und unbetäubte Schaf wird mit einem Halsschnitt getötet.

Rechte applaudieren dem Sozialisten

Der seit Dezember laufende Versuchsbetrieb mündete nun in eine Polemik, weil der Bürgermeister der nordfranzösischen Vorstadt Roubaix, René Vandierendonck, Klage gegen Quick eingereicht hat. Er beanstandet einen angeblichen Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot im nationalen Strafrecht. «Ich habe nichts gegen ein Halal-Angebot, aber wenn man nur noch das offeriert, geht es zu weit.» Diskriminierend verhalte sich Quick gegenüber Leuten, die ungeschächtetes Fleisch wünschten, meint der Sozialist.

Applaus erhielt der sozialistische Stadtpräsident vor allem von rechter Seite. Einen Monat vor den Regionalwahlen meinte Marine Le Pen, die Tochter des Front-National-Gründers, das Verhalten von Quick sei «skandalös». Ein Sprecher von Präsident Nicolas Sarkozy meinte etwas genereller, die Regierung sei «kein Fan des Kommunautarismus», das heisst der Bildung ethnischer oder religiöser Gemeinschaften.

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen. Philippe Doucet, der sozialistische Bürgermeister von Argenteuil, einem berüchtigten Pariser Vorort, verteidigt Quick: «Viele muslimische Familien konnten bisher nicht in diesen Restaurants essen gehen.» UMP-Fraktionschef Jean-François Copé weist darauf hin, dass in Frankreich «auch andere Restaurants Produkte anbieten, die ausschliesslich für eine Gemeinschaft bestimmt sind». Damit meinte er das koschere Essen jüdischer Restaurants. «Wenn man anderes Fleisch essen will, geht man eben woanders hin», meinte der grüne Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit, der kein Verständnis für die Polemik hat.

Quick bestreitet Diskriminierung

Nach der Klageeinreichung hat die Staatsanwaltschaft in Lille eine Voruntersuchung eröffnet. Der Ausgang des Rechtsstreites ist ungewiss. Quick bestreitet jede Diskriminierung: «Wir untersagen weder einem Muslim noch einem Nicht-Muslim den Zutritt.» Schweinefleisch sei zwar von der Karte gestrichen worden, doch gebe es auch Alternativmenüs mit Fisch oder Käse.

In Marseille, wo die grösste Muslimgemeinschaft Frankreichs lebt, versucht der bürgerliche Gemeinderat Quick ohne Klage davon abzubringen, zwei reine Halal-Lokale einzurichten. In der Schweiz ist eine entsprechende Polemik wegen des Schächtverbotes ebenso wenig denkbar wie in Deutschland oder Schweden. Erlaubt ist das Schächten hingegen in Frankreich, England, Spanien oder Dänemark.