Neues Jahr, neues Glück. Nicht so für gewisse Kunden der Post. Ihnen bringt der Jahreswechsel vor allem neuen Ärger in Form von neuen Gebühren. Oder das: Bisher verteilte der Pöstler unter der Woche jeweils morgens Briefe, Werbung und Postsendungen aller Art in die Haushalte. Von diesem Service rückt die Post zunehmend ab. Sie verlängert aus wirtschaftlichen Gründen ihre Zustellrouten. Die Post liegt damit immer öfter erst am frühen Nachmittag im Briefkasten. Dies zeigt das Beispiel einer Firma in Dietikon, wo die Post seit Anfang Jahr jeweils erst um 13 Uhr zugestellt wird. Zuvor erschien der Pöstler zwischen 10 und spätestens 10.30 Uhr.

Aus gratis wird kostenpflichtig

Auf den Dietiker Fall angesprochen, bleibt die Post in ihrer Antwort kryptisch: «Die Zustellroute wurde im vergangenen Sommer umgestaltet und dem betroffenen Kunden werden die Sendungen neu erst gegen Ende der Tour zugestellt.» Man überprüfe die Tourenplanung laufend und nehme, wo nötig, Änderungen und Optimierungen vor. Auch habe man den Kunden mündlich informiert; «wie auch über kostenlose und kostenpflichtige alternative Zustell-Lösungen».

Beides wird von der betroffenen Firma dementiert. Man habe die Information erst auf Nachfrage erhalten. Zudem habe der gelbe Riese keine kostenlosen Alternativen vorgeschlagen, sondern nur eine kostenpflichtige. Und die hat es in sich: Will die Zürcher Firma ihre Post weiterhin am Morgen bekommen, kostet dies neu zwischen 300 und 500 Franken pro Monat.

"Unverfrorene Post"

«Es ist unverfroren von der Post, dass sie Leistungen abbaut, nur um nachher für dieselbe Leistung neu Geld zu verlangen», sagt Peter Salvisberg, Mitinitiant der Initiative «Pro Service public», mit der er gegen einen Abbau des Service public ankämpfte. Das widerspreche der Idee der Grundversorgung durch einen Bundesbetrieb. Für ihn sei das ein weiteres Beispiel für den «schleichenden Abbau von Leistungen an die Bevölkerung», sagt auch der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas. Die Leute erwarteten, dass die Post spätestens bis um 12.30 Uhr im Briefkasten sei. «Ein bundesnaher Betrieb muss fähig sein, diese Leistung zu erbringen», sagt er. Im September hat er einen Vorstoss eingereicht, der verlangt, dass die Post überall bis spätestens 12.30 Uhr zugestellt werden muss.

Gesetzlich ist die Post dazu verpflichtet, die Briefpost unter der Woche täglich zu liefern. Eine fixe Zeit-Vorgabe besteht jedoch nicht. Daran will der Bundesrat auch nicht rütteln: «Mit der Einführung eines fixen Zustellschlusses würden für die Post höhere Kosten entstehen, da mehr kurze Zustelltouren mit mehr Fahrzeugen durchgeführt werden müssten», schreibt er in seiner Antwort auf Candinas’ Vorstoss. Auch könnte die Post in der Zustellung kaum noch Vollzeitstellen anbieten, was «einschneidende personelle Umstrukturierungen» zur Folge hätte.