Hochseeflotte
Pleite-Reederei will zurück ins Geschäft

Der Unternehmer, der dem Bund Millionenverluste bescherte, will eine neue Flotte aufbauen.

Henry Habegger
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In schwerer See: die Schweizer Hochseeschifffahrt. (Symbolbild)

In schwerer See: die Schweizer Hochseeschifffahrt. (Symbolbild)

HO

Die SCL «Bern» liegt seit einigen Tagen in Martinique in der Karibik vor Anker. 140 Meter lang ist der 12 000-Tonnen-Frachter, der 2005 gebaut wurde. Bundesbürgschaften von 21,5 Millionen Franken steckten Stand Ende 2016 noch in dem Schiff – dies bei einem geschätzten Substanzwert von gerade mal 6 Millionen.

Jetzt ist die SCL «Bern» verkauft worden. Zweifellos für einen Betrag, der weit unter dem Substanzwert liegt. Das Schiff, in dem so viele Schweizer Steuermillionen stecken, heisst neuerdings «Jennifer H.», und es fährt nicht mehr unter Schweizer Flagge. Neu ist es laut der Website marinetraffic.com auf der steuergünstigen Karibikinsel Barbados registriert. Sicher ist das nicht. Denn gemäss der Schweizer Seite swiss-ships.ch fährt es neu unter der Flagge der Bahamas.

Sicher ist aber leider: Bundesmillionen wurden soeben auch mit einem zweiten Frachter verbrannt, der SCL «Andisa». Einem Schätzwert von knapp 8 Millionen standen Bundesbürgschaften von über 20 Millionen Franken gegenüber. Das Schiff liegt vor Texas im Golf von Mexiko vor Anker und heisst jetzt «Angelo Maria». Auch dieser Steuergeld-Frachter hat soeben den Besitzer gewechselt. Und führt neu die Flagge von Barbados. Das bedeutet: Der ominöse Käufer der Schweizer Pleite-Flotte, der Kanada-Libanese Talal Hallak, hat offensichtlich seine beiden ersten Schweizer Schiffe übernommen. Weitere müssten, wenn der Plan der zuständigen Bundesräte Johann Schneider-Ammann (FDP) und Ueli Maurer (SVP) aufgeht, in den nächsten Tagen und Monaten folgen. Denn Hallak gilt als Abnehmer von 10 oder 11 der insgesamt 13 Schweizer Hochseeschiffe, mit denen der Bund bis 215 Millionen Franken verliert.

Zwei weitere Schiffe werden an einen anderen Käufer, einen türkischen Reeder, verkauft. Auch sie wegen des aktuellen Überangebots und der andauernden Schifffahrtskrise stark unter Wert.

Wie viel Talal Hallak für die Schiffe zahlt und ob er der Endabnehmer ist, ist unklar. Bund und Käufer schweigen sich aus. Laut «Tages-Anzeiger» versuchte Hallak, die mit dem Bund vereinbarten, ohnehin bereits tiefen Preise weiter zu drücken. Demnach wollte er die knapp 4 Millionen für die «Andisa» um eine halbe Million Franken reduzieren, indem er angebliche Mängel geltend machte. Gemäss Informationen der «Nordwestschweiz» lässt sich Hallak auf technischer Ebene von einem ehemaligen deutschen Kapitän und Reeder beraten. So versinken die Schweizer Steuermillionen zügig in den Weltmeeren.

«Hätte üblen Beigeschmack»

Derweil gibt Reeder Hansjürg Grunder, der dem Bund diese Verluste bescherte, offenbar bereits wieder Volldampf. Gemäss Aussagen von Brancheninsidern will er wieder Schiffe kaufen. «Er will eine neue Flotte aufbauen», sagt ein Vertrauter. Der Berner Oberländer habe auch bereits wieder einen Investor gefunden.

Aber nicht nur das. Der Reeder spiele sogar mit dem Gedanken, seine eigenen Schiffe günstig zurückzukaufen. Also die Schiffe, die der Bund verbürgt hat und die ihm die Millionenverluste eintragen. Man habe dem Reeder zu verstehen gegeben, dass das nicht gehe. «Das hätte einen üblen Beigeschmack», wie sich einer ausdrückt. Es sehe so aus, als habe der Reeder das nun begriffen, meint der Beobachter.

So sicher ist das allerdings nicht. Wer sich wirklich hinter den Käufern der Schweizer Schiffe verbirgt, ist derzeit nicht mit Sicherheit festzustellen.

Reeder Grunder antwortete dieser Tage nicht auf die Frage, ob es denkbar sei, dass er die Schiffe selbst zurückkaufe.

Giezendanner ist am Ball

Auch politisch ist die Hochseeaffäre noch lange nicht abgehandelt. Dieser Tage wird die Geschäftsprüfungskommission GPK in Bern darüber entscheiden, ob sie eine Untersuchung durchführt.

Ein Thema ist vorab bei SP und SVP zudem nach wie vor die Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK). Einer, der darauf drängt, ist SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner. Er ist weiterhin gezielt am Sammeln von Informationen. So führt er Gespräche mit Brancheninsidern und Personen im Umfeld der Reeder. «Ich erhalte laufend hoch interessante Informationen», verrät der Aargauer nur.