Pleite-Reeder Hans-Jürg Grunder setzt jetzt auf Öko. Er hat im letzten Oktober im norddeutschen Hamburg ein neues Unternehmen eintragen lassen, wie Recherchen zeigen. Green Tanker International GmbH heisst die neue Firma. Ihr Zweck ist gemäss Handelsregister «Planung, der Bau- und Umbau sowie der Betrieb von Schiffen, insbesondere Hochseeschiffen und hier insbesondere Tanker – aber auch andere Schiffe, unter Einbeziehung von innovativen und umweltfreundlichen Technologien».

EU-Beihilfen für Ökotanker

Zwar hat Grunder gemäss seinem Umfeld kein Geld mehr. Für die Gründung der Firma reichte es offenbar aber noch aus. Die neue Gesellschaft, die Grunder zusammen mit einem Deutschen eintragen liess, ist mit einem Kapital von 25'000 Euro dotiert. Grunder rechnet laut mehreren Quellen damit, dass er für seine Ökotanker EU-Subventionen erhält.

Der deutsche Partner bei den Ökotankern arbeitete laut Insidern für Grunder in der Schweiz. Bei der Enzian-Reederei, die mit ihren zwölf Hochseeschiffen pleiteging und den Bund und die Steuerzahler 215 Millionen kostete.

Die Aufbauarbeiten des Reeders an der neuen Firma warfen auch am Sitz der Pleite-Reederei Enzian in Zürich hohe Wellen. Laut verschiedenen Quellen finanzierte der Bund den Neustart teilweise mit, weil Grunder die Infrastruktur der Enzian-Reederei bis zuletzt für seine neuen Pläne nutzte.

Die meisten der rund 30 Enzian-Angestellten haben ihre Stelle mittlerweile verloren. Gemäss zuverlässigen Informationen blieb bei vielen Angestellten Verbitterung zurück. Auch Leute, die zehn und mehr Jahre für das Unternehmen tätig waren, verliessen die Firma, ohne ein Wort des Dankes vom Patron gehört zu haben.

Im Gegenteil: Mindestens einmal war das Enzian-Personal von den Vorgesetzten zusammengerufen und zusammengestaucht worden, wie sich eine Person ausdrückt. Weil verschiedene Vorkommnisse bei der sich in Liquidation befindlichen Enzian nach aussen gedrungen sind.

Beispielsweise wurde ruchbar, dass Patron Grunder angeblich eine Reihe von Enzian-Leuten für seine neue Firma in Deutschland anheuerte. Und auch diese Leute sich noch als Enzian-Angestellte angeblich mit dem Neuaufbau befassten.

Die Affäre um die Hochseeflotte sowie die tatsächlichen Pläne von Grunder bleiben undurchsichtig und voller Überraschungen.

So streitet sich Pleite-Reeder Hans-Jürg Grunder mit dem windigen estnischen Investor Timo Sas um die im Kanton Schwyz eingetragene Gesellschaft Helvetia Shipping AG. Die Firma, die über ein Kapital von 500 000 Franken verfügt, ist als Reederei eingetragen.

Krieg im Handelsregister

Zur Erinnerung: Der Este Timo Sas, der Russen im Rücken hat und selbst russischer Herkunft ist, wollte 2016 die Flotte von Reeder Grunder übernehmen. Die Pläne scheiterten, auch weil der Bund gewarnt wurde, dass hinter Sas Interessen des russischen Staats standen (wir berichteten).

Als der Russen-Deal geplatzt war, kam es zum Krach zwischen Sas und Grunder. Angeblich schuldet Sas dem ehemaligen Reeder eine halbe Million Franken. Jedenfalls gelangte Grunder im Oktober 2016 ans Schwyzer Handelsregister und liess Sas aus der Firma streichen, über die der Neustart der Grunder-Flotte hätte laufen sollen.

Grunder liess zudem den Firmennamen ändern: Aus TS Investor wurde Helvetia Shipping.

Zwei Monate später schlug Sas zurück: Im letzten Dezember erwirkte der Este beim Handelsregister, dass Grunders Statthalter, der Jurist Pete Hirsch, aus dem Verwaltungsrat gestrichen wurde. So ist Grunder seine Firma vorerst los: Sas ist jetzt als einziger Verwaltungsrat eintragen.

Neu in der Helvetia Shipping sitzt auch ein Weissrusse aus Zürich. Weder Sas noch der Weissrusse waren für die «Nordwestschweiz» zu erreichen. Sie reagierten nicht auf Anfragen.

Gratis-Diesel von Gazprom

Was will der schillernde Este Sas, der beste Kontakte zum staatlichen Gazprom-Konzern hat, mit der Helvetia Shipping anfangen? Sicher ist, dass er bei Kennern des ehemaligen Ostblocks als Strohmann für russische Hintermänner gilt, letztlich also von Präsident Putin. Als Sas 2016 die überschuldete Flotte von Grunder übernehmen wollte, hiess es, dass die Reederei ein Jahr lang keine Treibstoffrechnungen bezahlen müsste: Gazprom hätte auf Anschreiben geliefert. Was laut Insidern nichts anderes hiess als: Der Putin-Konzern hätte die Schweizer Schiffe gleich privilegiert behandelt wie die eigenen Marineschiffe.