Studienbeginn
Platznot an Hochschulen: Studenten übernachten in Bunker und Bungalows

Zehntausende Studentinnen und Studenten beginnen am Montag ihr Studium. Einige von ihnen stehen aber noch ohne Unterkunft da. Die Hochschulen bieten ungewöhnliche Provisorien für wenig Geld an: Campingplatz in Lausanne, Zivilschutzanlage in Zürich.

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Studierende an der ETH Zürich.

Studierende an der ETH Zürich.

Keystone

Die ETH Zürich stellt die Anlage Studierenden zur Verfügung, die noch auf der Suche nach einem Zimmer sind, und zwar während zwei Wochen vor bis maximal drei Wochen nach Studienbeginn. Für 10 Franken pro Nacht haben sie ein Bett, einen Schlafsack, Küche, Dusche und Internetzugang. Die Anlage liegt nur wenige Gehminuten vom Hauptgebäude der ETH entfernt in einer Tiefgarage. Der Eingang befindet sich zwischen parkierten Autos.

Eine Schweizer Studentin besucht die Studenten regelmässig, um ihnen Tipps zu geben. Im letzten Jahr logierten hier bis zu 25 Studierende gleichzeitig, wie Annina Wanner vom International Student Support der ETH Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagt. Insgesamt waren es etwa 40 Studierende, die das Angebot nutzten.

Die Zivilschutzanlage ist zudem während des ganzen Jahres für Personen geöffnet, die an wissenschaftlichen Konferenzen an der ETH teilnehmen.

900 neue Zimmer bis 2016

Rund 45'000 Studierende beginnen am Montag an der ETH und Uni Zürich das Semester, darunter 6300 Erstsemestrige. Die Studentische Wohngenossenschaft Zürich WOKO, eine der grössten Anbieterinnen in Zürich für studentisches Wohnen, bietet 2000 Zimmer an.

Die ETH Zürich baut zurzeit auf dem Hönggerberg rund 900 Zimmer für Studierende. Die Wohnsiedlung im Südwesten des Campus soll 2016 eröffnet werden. Dies werde die Situation deutlich entschärfen, sagt ETH-Sprecherin Franziska Schmid.

Bungalows in Lausanne

In Lausanne hatte man ebenfalls darüber nachgedacht, Zivilschutzanlagen als Provisorien für Studierende ohne Dach über dem Kopf anzubieten. Die Idee kam vor drei Jahren auf, als die Situation äusserst prekär war.

"Die Behörden sagten uns, dass dies nicht möglich ist", sagt Gilberte Isler von der sozio-kulturellen Abteilung der Universität Lausanne. Die Anlagen werden während sechs Monaten im Jahr für Notunterkünfte gebraucht, erklärt Emmanuel Laurent von den Sozialen Diensten.

Die ETH Lausanne (EPFL) hat eine unkonventionelle Lösung für Studierende in Notsituationen gefunden. Sie reserviert zwischen Mitte August und Ende September vier Bungalows auf dem Campingplatz in Lausanne-Vidy.

Acht Studenten können gleichzeitig für rund 30 Franken pro Nacht hier übernachten, dies der Preis des Campingplatzes. Sie können allerdings nicht länger als zwei Wochen bleiben. Dieses Angebot wurde vor vier Jahren lanciert und ist sehr begehrt. Es gebe gar eine Warteliste, sagt Charlotte La Roche, die für die Wohnvermittlung an der EPFL zuständig ist.

Die Studierenden, die keinen Platz in den Bungalows finden, werden an die Jugendherberge weitergeleitet. Ein neues willkommenes Angebot ist gemäss La Roche die Plattform für private Übernachtungen, Airbnb.

Zudem haben seit 2013 neue Studentenwohnheime mit über 800 Zimmern den Betrieb aufgenommen. In Lausanne hat sich die Situation deshalb etwas entschärft.