Fahrende
Plätze für Fahrende: Aargauer Gemeinden unter Zugzwang

In Gebenstorf hat diese Woche eine Gruppe Fahrende auf einem privaten Grund gewohnt, weil es zu wenig öffentliche Stellplätze für sie hat. Was lange Zeit von kantonaler und kommunaler Seite vernachlässigt wurde, will der Aargau jetzt durch die Schaffung von drei neuen Plätzen voranbringen.

Merken
Drucken
Teilen
Fahrende im Tessin

Fahrende im Tessin

Keystone

Im Aargau hat es für Fahrende derzeit sechs kantonal genehmigte Plätze. 2,1 Millionen Franken hat das Kantonsparlament im Aargau für die Sanierung der bestehenden und zur Schaffung von drei neuen Plätzen bewilligt.

Plätze nur für Schweizer Fahrende

Die Bedingung des Grossen Rates hierfür lautet allerdings, dass die Plätze für in der Schweiz niedergelassene Fahrende geschaffen werden. Jörg Hartmann, Leiter der Fachstelle Fahrende im Kanton Aargau, erklärt die Vorgabe des Rates damit, dass langjährige Erfahrungen ein unterschiedliches Bild von Schweizer und internationalen Fahrenden gezeichnet hätten. So sei in der Bevölkerung kaum jemandem bekannt, dass die Fahrenden in der Schweiz gemeldet seien, ihre Steuern zahlten und weitestgehend einem geregelten Beruf nachgehen würden. Auch würden Schweizer Fahrende nur in Gruppen von bis zu 15, maximal 20 Wohnwagen umherziehen, während es bei den ausländischen gleich doppelt so viele seien.

Derzeit wenig Stellplätze vorhanden

Ein Bericht der eidgenössischen Stiftung Zukunft der Fahrenden beklagt, dass die Stellplatz-Kapazitäten schon seit Jahren mehr als begrenzt sind. Auch Jörg Hartman vom Kanton Aargau gibt zu, dass man seitens des Kantons gegenüber den Fahrenden «jahrelang die Hausaufgaben nicht gemacht habe». Es sei lange versäumt worden, in genügendem Masse auf die Bedürfnisse der Fahrenden einzugehen.

Dies beklagt auch Daniel Huber, Vizepräsident der Dachorganisation der Fahrenden in der Schweiz, wenn er auf die wenigen Stellplätze hinweist. Man sei fast gezwungen, auf privaten Grund auszuweichen. Fehlende Sanitäranlagen würden die Sache nicht einfacher für die Fahrenden machen. Hier sei die Politik gefordert, sagt Huber. Sie müsse mit dazu beitragen, dass die Fahrenden ihre Kultur ausleben könnten.

Lukratives Geschäft für Private

Huber widerspricht den vorherrschenden Vorurteilen gegenüber den Fahrenden und sagt, dass sie für die Plätze jedes Mal bezahlen würden. Und für die Benützung der kantonalen Stellplätze würde gemäss einer Richtlinie der Dachorganisation jedes Mal eine Kaution von bis zu 200 Franken fällig. Wer den Platz nach 10 bis 14 Tagen nicht sauber verlasse, würde die Kaution nicht zurückbekommen.

Mit Verweis auf Gebenstorf betont er, dass die Fahrenden auch bei Privatleuten für die Benützung der Ländereien zahlen. Der Betrag könne bei 20 Wohnwagen schnell bis zu 10 000 Franken betragen, was gerade für private Landeigentümer ein lukratives Geschäft sei. Zudem habe er auch erlebt, dass anschliessend die Gemeinde für die Reinigung aufkommen musste - von der privaten Mietzinseinnahme sei dann keine Rede mehr gewesen.

Aargauer Gemeinden unter Zugzwang

Mit dem aktuellen Vorhaben zur Neuschaffung der drei Plätze würde jetzt jedoch aktiv etwas getan. Und im interkantonalen Vergleich sei man inzwischen wieder weit vorne. Schwierig gestalten sich jedoch immer wieder die Verhandlungen mit den Gemeinden, in welchen die Plätze vorgesehen sind, so der kantonale Fachstellenleiter Hartmann. Man treffe immer wieder auf die gleichen Vorurteile - ganz gleich ob es sich um Schweizer oder internationale Fahrende handelt, betont Hartmann. Vorurteile, die auch Daniel Huber von der Dachorganisation der Fahrenden in der Schweiz nur schwer entkräften kann, weil einfach das generelle Verständnis der Bevölkerung fehle. (dht)