Flughafen Zürich

Platz für längere Piste bleibt frei

Bundesgerichtsentscheid: Die Verlängerung der Piste 28 in Rümlang würde die Landung grösserer Flugzeuge ermöglichen – wie hier auf der Piste 14.

Flugzeug

Bundesgerichtsentscheid: Die Verlängerung der Piste 28 in Rümlang würde die Landung grösserer Flugzeuge ermöglichen – wie hier auf der Piste 14.

Obwohl die Planung noch in den Kinderschuhen steckt, muss der Raum für eine Verlängerung der Piste 28 frei bleiben. Das Bundesgericht stützt das Vorgehen der Flughafenbetreiberin in Rümlang.

Oliver Steimann

Die mögliche Verlängerung der Ostpiste 28 gilt in Rümlang als Schreckgespenst. Was sie konkret bedeuten würde, wurde der Unterländer Gemeinde im Herbst 2005 zum ersten Mal aufgezeigt. Damals musste ein Erweiterungsprojekt für eine Recyclinganlage des Baukonzerns Eberhard auf Eis gelegt werden. Die Zürcher Baudirektion sprach ein Bauverbot aus, weil das Grundstück im Rümlanger Industriegebiet exakt in der Verlängerung der Pistenachse liegt.

Würde die Piste tatsächlich nach Westen erweitert, müsste die Fläche gemäss internationalen Richtlinien aus Sicherheitsgründen freigehalten werden. Die Eberhard AG erhob Einsprache, aber die Flughafenbetreiberin Unique wollte auf sicher gehen und erwirkte beim Bund eine Projektierungszone, die mit einem absoluten Bauverbot verbunden ist. Bauunternehmen und Gemeinde klagten dagegen - erfolgreich - vor dem Bundesverwaltungsgericht. Dieses war der Ansicht, die Projektierungszone sei unzulässig, solange der Prozess zum Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) in Zürich nicht abgeschlossen sei.

SIL muss nicht abgeschlossen sein

Doch die Freude der Rümlanger währte nicht lange. Das Bundesgericht als letzte Instanz hat nun entschieden, dass die Projektierungszone durchaus angemessen sei. Dazu sei «nicht zwingend die vorherige Erarbeitung eines SIL-Objektblattes» nötig, heisst es im Urteil. Es gehe vielmehr darum, sich im laufenden Entscheidungsverfahren alle Möglichkeiten offenzuhalten.

Im SIL-Prozess werden derzeit noch drei Flugbetriebsvarianten weiter verfolgt. Die vom Bund favorisierte Version «J optimiert» beinhaltet eine Verlängerung der Piste 28. Das Bundesgericht verweist in seiner Urteilsbegründung auf vergleichbare Regelungen beim Strassenbau. Der Fall geht nun zurück ans Verwaltungsgericht, das ihn neu beurteilen muss.

Gemeinde Rümlang gehört zu Verlierern

Am Flughafen ist man über diese überraschende Wende sehr erfreut. «Wir begrüssen die Grundaussage des Bundesgerichts, dass der SIL bereits raumplanerisch wirksam ist», erklärt Unique-Sprecherin Sonja Zöchling. Das sei ein sehr wichtiger Entscheid, «auch wenn die Pistenverlängerung damit noch lange nicht gesichert ist».

Bei der betroffenen Baufirma nimmt man den Entscheid gegen aussen hin gelassen. «Bis die Pistenverlängerung realisiert werden kann, ist es noch ein langer Weg», kommentiert Geschäftsführer Heinrich Eberhard. Er ist überzeugt, für seine Firma eine Lösung zu finden. Die Standortfrage sei für ihn dabei weniger entscheidend als allfällige Entschädigungsansprüche.

Zu den Verlierern gehört auch die Gemeinde Rümlang. Im betroffenen Industriegebiet werde die weitere Planung nun sehr erschwert, bilanzierte Gemeindeschreiber Giorgio Ciroli gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Gemeinde müsse ihre Interessen nun eben im laufenden SIL-Prozess einbringen.

Östlich des Flughafens hat man am gestrigen Entscheid gar keine Freude. Eine längere Piste 28 soll nämlich nicht nur Ostanflüge grösserer Maschinen, sondern auch häufigere Landungen aus dieser Himmelsrichtung ermöglichen. «Die kantonale Abstimmung über ein Pistenausbauverbot wird damit noch wichtiger», erklärt Ralph Weidenmann, Präsident des Bürgerprotests Fluglärm Ost (BFO). Der Urnengang, der im Juni 2010 stattfinden soll, werde nun zum wichtigsten Ziel der nächsten Monate, so Weidenmann.

Warten auf den Volksentscheid

Bauunternehmer Eberhard hegt hingegen keine grossen Hoffnungen, dass die Volksabstimmung an den Plänen des Bundes etwas ändern wird. Es handle sich ja nur um eine konsultative Abstimmung, die Bern zu nichts verpflichte. Ohnehin befindet er sich in Sachen Flughafen in einer unbequemen Zwickmühle. Bei zahllosen grossen Bauprojekten von Unique hiess der Auftragnehmer in der Vergangenheit nämlich Eberhard AG.

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