Krankenkassen
Planen die drei grossen Krankenkassen eine Fusion?

Helsana, Sanitas und Groupe Mutuel gründen einen Konkurrenzverband zur Santésuisse. Als Präsident der ASK konnte der bekannte Gesundheitsökonom Heinz Locher gewonnen werden. Möglicherweise ist die Allianz ein erster Schritt zur Fusion.

Sermîn Faki und Christof Forster
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Eine Studie sagt deutlich höhere Krankenkassenprämien voraus

Eine Studie sagt deutlich höhere Krankenkassenprämien voraus

Keystone

Die drei grossen Krankenversicherer Helsana, Sanitas und Groupe Mutuel haben sich Ende Juni zur Allianz Schweizerischer Krankenversicherer (ASK) zusammengeschlossen. Mit dieser gestern veröffentlichten neuen Interessenvertretung bekommt der Branchenverband Santésuisse Konkurrenz. Sanitas hat den Bruch mit Santésuisse komplett vollzogen und ist letzten Monat ausgetreten. Helsana und Groupe Mutuel werden bis Mitte nächsten Jahres noch Mitglieder des Verbands bleiben: Sie können erst auf Ende Jahr kündigen, die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate.

Allianz der Unzufriedenen

Grund für die Gründung der ASK war die zunehmende Unzufriedenheit mit der Arbeit von Santésuisse. Brancheninsider sagen, dass der Verband unter der Führung des auf Ende Jahr zurücktretenden Präsidenten Claude Ruey und des Direktors Stefan Kaufmann an Biss verloren habe. Zu schnell sei er gegenüber Forderungen von Bund und Kantonen eingeknickt, zu wenig habe er sich für die Anliegen der grossen Versicherer eingesetzt (siehe unten). So sagt Helsana-Mediensprecher Rob Hartmans zwar: «Kritik äussern wir verbandsintern, nicht in der Öffentlichkeit.» Insgesamt sei man aber mit den Entwicklungen in den zwei letzten Jahren nicht zufrieden gewesen. Santésuisse habe «die Branche zu wenig im Sinne unserer Kunden positioniert».

Mehr Wettbewerb, weniger Regeln

Als Präsident der ASK konnte der bekannte Gesundheitsökonom Heinz Locher gewonnen werden. Er bestätigt: «Die drei Versicherer waren unglücklich, dass der Staat mehr und mehr Einfluss auf das Gesundheitswesen genommen und so ihre unternehmerische Freiheit gefährdet hat.» Konkret würden sich die grossen Krankenkassen mehr Wettbewerb und weniger Regulierung wünschen.

Möglicherweise ist die Allianz nur ein erster Schritt zu einer weit grösseren Aktion. Helsana, Groupe Mutuel und Sanitas könnten noch andere Versicherer um sich scharen und einen eigenen Verband der grossen Kassen aufziehen. Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel hält diese Entwicklung für möglich: «Besonders beim Lobbying kann Santésuisse nicht mehr mit einer Stimme sprechen. Es gibt zu viele unterschiedliche Interessen im Verband», so die Aargauer CVP-Nationalrätin.

Andere meinen eher, dass die ASK vor allem Druck auf Santésuisse ausüben soll, damit Präsidium und Direktorium wieder mit kompetenten Führungspersönlichkeiten besetzt werden. «Die mächtigen Kassen werfen dafür ihr ganzes Gewicht in die Waagschale», sagt etwa der Schwyzer CVP-Ständerat Bruno Frick. Ein Indikator für diese These ist das Alter von Präsident Locher. Einen 67-Jährigen halten viele nicht für den richtigen Mann, um den Neuanfang zu wagen.

Erster Schritt zur Mega-Kasse

Andere Branchenkenner vermuten den noch grösseren Coup, nämlich dass die Allianz eine Fusion von Helsana, Groupe Mutuel und Sanitas einleiten soll. In einem ersten Schritt könnte man gemeinsam Leistungen im Bereich der Zusatzversicherungen einkaufen, später Tarife aushandeln – und ganz verschmelzen, zu einer Mega-Krankenkasse mit über zwei Millionen Versicherten. Charles Giroud, Präsident des Verbands der kleinen und mittleren Krankenversicherer, hält das durchaus für eine Möglichkeit.

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