Schweiz

Pilatus-Chef war Mitbesitzer: Schweiz streicht «Helvetia» aus Hochseeflotte

Am Mehrzweckfrachter «SCL Helvetia» – hier noch unter dem ersten Namen «Clipper Helvetia» – war auch «Pilatus»-Präsident Oscar Schwenk beteiligt.

Am Mehrzweckfrachter «SCL Helvetia» – hier noch unter dem ersten Namen «Clipper Helvetia» – war auch «Pilatus»-Präsident Oscar Schwenk beteiligt.

Die Hochseeflotte schrumpft um zwei weitere Schiffe. Laut einer Meldung im Bundesblatt vom Dienstag ist unter anderem die «SCL Helvetia» Ende April aus dem Register der Schweizer Seeschiffe gestrichen worden.

(sat) Laut swiss-ships.ch heisst die «Helvetia» jetzt «BBC Rheiderland» und fährt künftig unter der Flagge des Karibikstaates Antigua & Barbuda. Neu ist zudem dessen Hauptstadt St. Johns statt Basel der Heimathafen des Schiffes. Betreiberin war zuletzt die in Hergiswil beheimatete SCL Helvetia AG.

Das 161 Meter lange Frachtschiff kann maximal 17'500 Tonnen tragen und ist 2012 in China gebaut worden. Im Jahr darauf wurde es mit Nummer 199 ins Schweizer Seeschiffregister aufgenommen. Seither steckten auch Bürgschaften des Bundes in dem nun offenbar notverkauften Frachter. Deren Höhe ist unbekannt wie auch wer die Käuferin ist.

Das zweite, laut dem neuesten Bundesblatt ebenfalls aus dem Schweizer Seeschiffregister ausgetragene Frachtschiff, ist die «Martigny». Sie gehörte der Genfer Massoel Shipping SA und fährt neu unter der Flagge Panamas. Der neue Eigentümer hat seinen Sitz in Ägypten.

Prozess zur Flotten-Affäre im Sommer

In die Schlagzeilen geraten war die «SCL Helvetia» im Zuge der sogenannten Flotten-Affäre. 2017 war bekannt geworden, dass mitten in der weltweiten Krise der Hochseeschifffahrt unter anderem Oscar J. Schwenk, Chef der «Pilatus»-Flugzeugwerke, als Privatmann in die «Helvetia» investierte. Es soll sich um mehrere Millionen Franken handeln.

Das private Investment erfolgte via die Swiss Cargo Line von Hans-Jürg Grunder. Die SCL/SCT-Reederei ist jene inzwischen in Liquidation stehende Gruppe, mit welcher der Berner Oberländer Unternehmer der Eidgenossenschaft bislang Bürgschaftsausfälle von mindestens 200 Millionen Franken beschert hat. Im Umfeld Grunders gab es nebst der «Helvetia» drei weitere sogenannte Investorenschiffe – «Angela», «Basilisk» und «Trudy».

Im Sommer wird sich Grunder vor dem Berner Wirtschaftsstrafgericht verantworten müssen. Zwölf Privatkläger beteiligen sich an dem Prozess, darunter der Bund. Zudem führt die Bundesanwaltschaft im gleichen Zusammenhang nach wie vor ein Verfahren gegen einen ehemaligen Chefbeamten des Bundes. Dieser war für die Bürgschaftsvergabe der Eidgenossenschaft zuständig und arbeitete nach seiner Pensionierung zudem für Hans-Jürg Grunder. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Offene Fragen zu Ausfällen durch «Helvetia»

Die einstige «SCL Helvetia», an der unter anderem Oscar Schwenk beteiligt war, gehörte allerdings nicht zu den zwölf SCL-Schiffen, die dem Bund den ursprünglichen Millionenschaden zufügten. Und Schwenk betonte damals, dass «Pilatus» von seinem privaten Investment nicht betroffen sei. Auf Anfrage von CH Media wollte er nun keine Stellung mehr zum Verkauf und zur Löschung aus dem Register der schweizerischen Seeschiffe nehmen. Damit ist offen, ob der Bund am Ende doch noch Geld verliert mit der «SCL Helvetia».

Zur Blütezeit der Schweizer Hochseeflotte waren rund 50 Schiffe mit weissem Kreuz auf rotem Grund auf den Meeren unterwegs. Sie sollten im Krisenfall zur Versorgung der Schweiz beitragen. Seit die «Aargauer Zeitung» 2016 aufgedeckt hatte, dass der Bund wegen der weltweiten Krise der Schifffahrt mit Bürgschaften Hunderte Millionen Franken zu verlieren droht, hat die Eidgenossenschaft bereits über ein Dutzend Hochseeschiffe notverkauft. Zudem hat der Bundesrat seine Meinung inzwischen geändert und alle Bürgschaften für Hochseeschiffe gekündigt.

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