Burkhalter-Nachfolge
Pierre Maudet: Im vierwöchigen Sprint auf die nationale Politbühne

Der Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet eilte in seiner Politkarriere von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Der 39-Jährige hat sich in einer vierwöchigen Kampagne für den Bundesrat auf der nationalen Bühne einen Namen gemacht. Sein Kurs bewegt sich zwischen Recht und Ordnung und Öffnung.

Abigail Zoppetti
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Pierre Maudet

Pierre Maudet

Keystone

Vor der Lancierung seiner Bundesratskandidatur am 4. August am Filmfestival in Locarno war Pierre Maudet ausserhalb der Westschweiz wenig bekannt. Innerhalb von nur vier Wochen hat der Genfer Staatsrat das grundlegend ändern können.

In einem regelrechten Interview-Marathon punktete er mit konkreten Lösungsvorschlägen für das Verhältnis zwischen der Schweiz und EU sowie mit dem Umgang mit Terrorismus. Bei den Podien der FDP-Roadshow konnte er viele Zuschauer überzeugen.

Dem selbst bezeichneten Aussenseiter im Rennen um die Nachfolge von Didier Burkhalter gelang es, mit Inhalten zu Punkten. Auch wenn er wegen seiner selbstbewussten Art immer wieder als arrogant bezeichnet wurde, war seine Kampagne ein Erfolg.

Wahlkämpfe ist sich der Genfer seit jungen Jahren gewohnt. Maudet stieg extrem früh in die Politik ein. Bereits im Alter von 14 Jahren schreibt er der Stadt Genf einen Brief für einen Skaterpark. Und mit 15 Jahren gründet er das Jugendparlament der Stadt Genf.

Vom Jungpolitiker zum "Meister Proper"

Bereits mit 21 Jahren zieht der FDP-Politiker in das Stadtparlament ein und schafft 2007 als 29-Jähriger den Einzug in die Stadtregierung. Vier Jahre später wird er im Amt bestätigt, doch 2012 nimmt er Kurs auf die Kantonsregierung.

Pierre Maudet, in Genf unterdessen unter dem Übernahmen "Meister Proper" bekannt, wird bei einer Ersatzwahl gewählt und übernimmt das Sicherheitsdepartement. Ein Jahr später wird er wieder gewählt und erweitert seinen Einflussbereich: Neu führt er das Departement für Wirtschaft und Sicherheit.

Der Genfer Senkrechtstarter erlitt in seiner Karriere nur wenige Wahlniederlagen: Bei den Nationalratswahlen 2003 ging er leer aus. An der Universität Freiburg schloss er einen Master in Rechtswissenschaften mit Zusatz Europarecht ab, sein Berufsleben begann er in der Politik, der er bis heute treu geblieben ist.

Von Pascal Couchepin gefördert

In der Armee diente Maudet, der auch der deutschen Sprache mächtig ist, als Hauptmann der Rettungstruppen. Bei seinem Werdegang stand Bundesrat Pascal Couchepin Pate. Der Freisinnige hatte Maudet 2005 an die Spitze der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen berufen. Maudet war bis 2015 deren Präsident.

Seit 2016 präsidiert er die Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren der Kantone der lateinischen Schweiz. Der umtriebige Genfer Staatsrat machte bereits auf nationaler Politbühne auf sich aufmerksam.

Er kritisierte 2011 Bundesrat Ueli Maurer - damals Vorsteher des Verteidigungsdepartements - für dessen Sicherheitspolitik und forderte eine Professionalisierung der Armee. Auch bei der Verstärkung der Nachrichtendienste und der Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung bringt sich Maudet regelmässig auf nationaler Ebene ein.

Sans-Papiers und Gefängnisse

Auf wirtschaftlicher Ebene setzte er sich für die Einführung von Leitplanken für die Personenfreizügigkeit ein und befürwortet eine Kontrolle des Arbeitsmarktes. Von sich Reden machte er sich auch mit dem Programm Papyrus für die Regularisierung der Sans-Papiers, das auch von linker Seite befürwortet wurde.

Viel Kritik gibt es hingegen für den strikten Kurs beim Asylwesen und der Bekämpfung der Kriminalität. Nicht zuletzt seinetwegen sind die Gefängnisse in Genf randvoll. Er regiert in Genf mit einer stets bis ins Detail durchgeplanten Kommunikationsstrategie.

Bei der Einführung von Videokameras im Genfer Pâquis-Quartier sprach Maudet von "Vidéoprotection" (Videoschutz) statt von Videoüberwachung. Der Vater dreier Kinder ist am unteren Genferseeufer seit langem für seine Ambitionen bekannt. Nun kann der 39-Jährige am 20. September um einen Sitz im Bundesrat kämpfen.