Wie wird die Energie in der Schweiz künftig hergestellt? Wie wird sie gespeichert? Und was bedeutet das alles für die Haushalte? Die Energiestrategie 2050 des Bundes setzt dazu Leitplanken. Die konkrete Ausgestaltung für Nutzer und Erzeuger hingegen ist noch nicht abschliessend bekannt.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) nimmt die politischen Beratungen zum Anlass, die bis anhin nur skizzierte Energiezukunft in einem Pilotprojekt bereits heute zu simulieren. «Wir stellen die Fragen, die in der aktuellen politischen Debatte noch nicht gestellt werden», sagt Projektleiter Stefan Roth.

Die FHNW hat eine veritable Reise in die Zukunft vor: Ab dem Jahr 2018 soll in einem regionalen Verbund das Energieumfeld des Jahres 2035 nachgebildet werden – wobei das Zieljahr nicht zufällig gewählt, sondern eine wichtige Zwischenetappe der Energiestrategie 2050 ist. Das «Leuchtturmprojekt» soll aufzeigen, wie eine dezentrale Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Energie ökonomisch und ökologisch sinnvoll gelöst werden kann. Der Selbstversorgungsgrad der Haushalte soll entsprechend hoch, die Leistungsbilanz im Verteilnetz ausgeglichen sein.

20 bis 100 Testhaushalte

Konkret heisst das: Intelligent gebaute, energieeffiziente Häuser (sogenannte smart homes) erzeugen «eigenen» Strom – zum Beispiel mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder einer Brennstoffzelle im Heizungsraum. Wenn es das persönliche Bedürfnis und die Marktsituation erlauben, speisen sie einen Teil davon in «intelligente» Stromnetze ein (smart grids). Ist der Preis gerade zu niedrig, wird der Strom – zum Beispiel in einem speziellen Akku – gespeichert und erst dann verbraucht oder eingespeist, wenn es sich ökonomisch wieder lohnt.

Das Haus, das im Jahr 2035 dem neusten Stand der Technik entspricht, gibt es heute naturgemäss noch nicht. Es gibt aber bereits jetzt Gebäude, die dem Modell nahe kommen. Die FHNW sucht demnächst 20 bis 100 Haushalte, die bereit sind, am Pilotprojekt teilzunehmen. «Ohne die Auswahl vorwegzunehmen: Wer eine Wärmepumpe, eine Solaranlage und ein Elektroauto besitzt, eignet sich ideal dafür», sagt FHNW-Dekan Rainer Schnaidt. Die ausgewählten Haushalte werden zusätzlich mit einem eigens entwickelten «Hausmanager» ausgestattet. Ob eine Entschädigung angeboten wird, sei derzeit noch offen.

Die Forscher erhoffen sich von der Testphase Antworten auf die technische Machbarkeit von kleinräumigen Energiesystemen. Sie soll aber auch Aufschlüsse über psychologische Aspekte geben. Projektleiter Roth: «Wir wollen zum Beispiel wissen: Sind die Nutzer bereit, die Waschmaschine vielleicht erst bei Sonnenschein oder einer gewissen Windstärke einzuschalten, weil es dann ökologisch und ökonomisch mehr Sinn macht?»