Philipp Müller, Bundesrat Johann Schneider-Ammann wird von verschiedener Seite kritisiert, weil er sich den Fragen der Öffentlichkeit zur umstrittenen Steueroptimierung bei der Ammann Gruppe nicht stellt. Ist Abtauchen nicht die falsche Strategie?

Philipp Müller: Wie und wann er kommuniziert, ist sein Entscheid. Am Mittwoch hat er angekündigt, dass er spätestens dann öffentlich Stellung nehmen wird, wenn die Prüfung der Berner Steuerbehörden abgeschlossen sind. Das finde ich korrekt.

Doch auch wenn die Behörden zum Schluss kommen, dass alles legal war. Ist Steueroptimierung im Ausland für einen Bundesrat moralisch vertretbar?

Hier geht es nicht um Moral und Ethik, sondern um die Frage, ob die Ammann Gruppe die Gesetze eingehalten hat oder nicht.

Und davon gehen Sie aus?

Es gibt keinen Grund, an der Seriosität der Berner Steuerbehörden zu zweifeln. Die Ammann Gruppe hat ja vorgängig bei den zuständigen Behörden die Bewilligung eingeholt.

Nun melden sich Politiker zu Wort, die Schneider-Ammann für nicht mehr tragbar halten. Können Sie die heftigen Reaktionen nachvollziehen?

Das ist das übliche Skandalisierungsszenario, das zu erwarten war. Es ist aber nicht richtig, Ereignisse, die Jahre zurück liegen, ohne Kenntnis der Hintergründe zu beurteilen. Als sich die Wertvorstellungen hierzulande veränderten und die Berner Steuerbehörden attraktive Lösungen ermöglichten, hat die Ammann Gruppe 2009 die betreffenden Geschäftszweige vom Ausland wieder in die Schweiz verlegt.

Johann Schneider-Ammann ist für Sie also als Wirtschaftsminister weiterhin tragbar?

Selbstverständlich. Was jetzt stattfindet, ist ein Kesseltreiben. Er wird vorverurteilt - ohne das Ergebnis der Prüfung durch die Berner Steuerbehörde abzuwarten. Das ist unschweizerisch und unfair.

Die Steuerpraxis der Ammann Gruppe wird von den zuständigen Behörden intern untersucht. Müsste diese Überprüfung nicht durch eine unabhängige, externe Stelle geschehen?

Dass die damaligen Vorgänge intern abgeklärt werden, ist absolut korrekt. Die Steuerbehörde muss nun prüfen, ob das Unternehmen die Vorgaben so umgesetzt hat, wie sie damals besprochen worden sind.

«Ein Kesseltreiben»: FDP-Präsident Philipp Müller zur Steueraffäre Schneider-Ammann

«Ein Kesseltreiben»: FDP-Präsident Philipp Müller zur Steueraffäre Schneider-Ammann