Affäre Hildebrand
Philipp Hildebrand: «Der Schweiz ging es noch nie so gut wie heute»

Erstmals seit seinem Rücktritt als Nationalbank-Präsident hat sich Philipp Hildebrand in einem Zeitungsinterview geäussert. Hildebrand spricht darin offen über die schwierige Zeit seines Rücktritts.

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Philipp Hildebrand ist Forschungsbeauftragter an der Universität Oxford (Archiv)

Philipp Hildebrand ist Forschungsbeauftragter an der Universität Oxford (Archiv)

Keystone

Seine Familie habe ihm «eine Wahnsinnskraft» gegeben: «Wir spürten einen starken Zusammenhalt», sagt der 49-Jährige im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». Geholfen hätten ihm auch hunderte von E-Mails und Briefen aus der Bevölkerung: «Die Unterstützung war enorm.» Er habe vieles gelernt, sagt Hildebrand rückblickend. «Man merkt, dass eine innere Kraft da ist, wenns drauf ankommt.»

Hildebrand ist zurzeit an der Universität Oxford tätig, doch langfristig sieht er sich nicht als Professor: «Ich werde eher eine Aufgabe im Privatsektor übernehmen.» Der Ex-SNB-Chef ist «besorgt und optimistisch zugleich», wenn er an die Folgen der Euro-Krise für die Schweiz denkt. «Unser Wohlstand ist heute grösser denn je, noch nie in der Geschichte ging es uns so gut. Wir sind ein reiches Land, das auch von den Reserven zehren könnte, wenn es hart auf hart ginge.»

Die KMU hätten der Frankenstärke getrotzt: «Sie haben in den letzten fünf Jahren erfolgreich gekämpft und sich neu positioniert.» Hildebrand will sich nicht zur Kontroverse um den 1.20er-Mindestkurs äussern, den er am 6. September 2011 einführte, sondern sagt: «Wenn es ein Land gibt, das imstande ist, durch diese Krise zu gehen, dann die Schweiz.» Vordringlich sei nun für Europa, «dass der Bankensektor wieder stabilisiert wird», sagt Hildebrand. «Das war auch in der Finanzkrise 2008 der zentrale Punkt.»

Die Verunsicherung rühre daher, dass man bei einigen europäischen Banken «nicht weiss, wie stark oder schwach ihre Bilanzen sind». Das gilt insbesondere für spanische Banken. Die Regierung in Madrid flüchtete gestern Abend unter den Euro-Rettungsschirm: Spanien beantragte Finanzhilfe für seine angeschlagenen Banken im Umfang von bis zu 100 Milliarden Euro. Es ist nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Euro-Land, das auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Derweil rüsten sich Regierungen und Banken für einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Gemäss Recherchen der Zeitung „Der Sonntag" sind auch die Schweizer Banken bereit. Der CEO eines Schweizer Finanzkonzerns sagte zum «Sonntag»: «Die Schweizer Banken haben sich bereits Drachmen gesichert, in Holland werden sie gedruckt. Kommt der Austritt Griechenlands aus der Eurozone, wird dieser an einem Sonntag kommuniziert, und dann bleiben die Banken bis Mittwoch geschlossen.»