Medikamentenpreise

Pharmafirmen fühlen sich vom Bundesrat hinters Licht geführt

Pharma-Firmen werfen dem Bundesrat vor, dass er sein Versprechen nicht einlöst.

Pharma-Firmen werfen dem Bundesrat vor, dass er sein Versprechen nicht einlöst.

Der Bundesrat hat den Pharmafirmen auf Anfang 2015 ein neues Preisregime versprochen. Mit diesem Versprechen konnten Preissenkungen von rund 700 Millionen Franken durchgeboxt werden. Doch nun fühlen sich die Pharmafirmen hinters Licht geführt.

Preisüberwacher Stefan Meierhans haute kräftig auf die Pauke, als er Pharmafirmen am Wochenende mit Banken verglich und ihnen unterstellte, sie würden die Schweizer abzocken. Seine Aussagen in der «SonntagsZeitung» lassen sich nicht als Patzer abtun. Denn in der Öffentlichkeit Stimmung zu machen, ist sein einziges Mittel, um Druck auf den politischen Prozess auszuüben.

Die markigen Worte des Preisüberwachers verfolgen in diesem Fall das Ziel, den neuen Mechanismus zur Festlegung der Medikamentenpreise zu beeinflussen. Da die Preise kassenpflichtiger Medikamente nicht vom Markt, sondern von der Politik bestimmt werden, sind sie verhandelbar. Auf Anfang 2015 soll ein neuer Mechanismus erlassen werden. Der Bundesrat hat seinen Vorschlag im Juni in die Anhörung geschickt. Nun äussern sich die betroffenen Verbände dazu.

Es zeichnet sich ab, dass der Streit um die Medikamentenpreise in eine neue Runde geht. Und dies, nachdem vor etwas mehr als einem Jahr Innenminister Alain Berset und die Pharmafirmen einen Kompromiss gefunden hatten. Sie konnten sich auf einen Mechanismus einigen, um die Preise zu senken. Die Pharmafirmen zogen ihre Rekurse gegen Preissenkungen unter dem Vorbehalt zurück, dass bis 2015 ein neuer Mechanismus zur Preisfestlegung definiert wird. Mit diesem Versprechen konnte Berset Preissenkungen von rund 700 Millionen Franken durchboxen.

Nun werfen die Pharma-Firmen Berset vor, dass er sein Versprechen nicht einlöst. So lehnt Interpharma, der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen, Bersets Vorschlag vollumfänglich ab, wie er in seiner Stellungnahme an den Bundesrat schreibt. Interpharma sei überrascht und befremdet ob der Vorlage, die «einmal mehr auf reine Kostendämpfung ausgerichtet» sei und die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche «in keiner Art und Weise berücksichtige».

Pro Jahr 200 Millionen gespart

Einer der Hauptkritikpunkte betrifft die Preisberechnung der Medikamente, für die es zwei Optionen gibt: Entweder wird als Referenz der Preis im Ausland genommen oder der Nutzen eines Medikaments. Berset versprach den Pharmafirmen vor einem Jahr, ab 2015 die Wirksamkeit wieder besser zu berücksichtigen. Denn die Medikamentenpreise wurden in den letzten zwei Jahren dem Ausland angepasst und konnten so jährlich um etwa 200 Millionen Franken gesenkt werden. Gemäss Interpharma beträgt der Preisunterschied zum Ausland nicht einmal mehr fünf Prozent – wobei eine letzte Senkungsrunde im Herbst noch bevorsteht.

Doch Berset will auch künftig den Auslandpreis stärker gewichten als den Nutzen des Medikaments. Zum zusätzlichen Ärger der Pharma sollen als Referenzländer Schweden, Belgien und Finnland hinzukommen. Das sind alles Länder, die den Preis in der Schweiz weiter drücken.

Preisüberwacher Meierhans gehen die Vorschläge des Bundesrats hingegen zu wenig weit. Er will, dass auch Italien und Norwegen in den Länderkorb des Auslandpreisvergleichs aufgenommen werden. Jene Länder, die Medikamente zu noch tieferen Preisen verkaufen.

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