Pflegende erhalten mehr Lohn

Das diplomierte Pflegepersonal kommt in eine bessere Lohnklasse. Jetzt gibts rückwirkend mehr Lohn

Pflegepersonal

Das diplomierte Pflegepersonal kommt in eine bessere Lohnklasse. Jetzt gibts rückwirkend mehr Lohn

Nach den Berufsverbänden hat am Dienstag auch der Kanton Baselland die Lohnerhöhung für die diplomierten Pflegefachangestellten akzeptiert. Sie werden in eine bessere Lohnklasse eingeteilt, was den Kanton jährlich 3,9 Millionen Franken kostet.

Fast acht Jahre lang wurde gerungen, nun wollen Kanton und Pflegepersonal den Händel begraben: Beide Seiten stimmten den vor zwei Wochen vom Kantonsgericht vorgeschlagenen Kompromiss zu. Die für am Mittwoch vorgesehene Gerichtsverhandlung wurde daher abgesagt. Das bedeutet eine Besserstellung der diplomierten Pflegekräfte: Von der jetzigen Lohnklasse 17 steigen sie in die Lohnklasse 16 auf.

«Etappensieg» erreicht

Beim Schweizerischen Verband der Pflegefachleute (SBK) hat man sich ohne grosse Begeisterung für den Kompromiss entschieden. «Eigentlich gehören wir in die Lohnklasse 15. Aber der Kanton hat geschickt auf Zeit gespielt, und nach einer so langen Verfahrensdauer wollten wir endlich einen Abschluss. Daher haben wir dem Vergleich zugestimmt», sagte Brigitte Garessus, Präsidentin SBK Sektion beider Basel. «Es ist für uns ein Etappensieg.»

Während die Berufsverbände bereits kurz nach der Verhandlung signalisierten, dass sie den Vergleich wohl akzeptieren werden, gab es vom Kanton bis Dienstagnachmittag keine Stellungnahme. In einem Communiqué von Dienstagabend wurde schliesslich erklärt, die Bessereinreihung koste den Kanton jährlich 3,9 Millionen Franken mehr.

Ausbildung höher gewertet

So umfangreich das Baselbieter Lohnsystem mit seinen zahlreichen Faktoren ist, die letztlich zur Lohnklasseneinteilung führen, so simpel ist nun die Änderung: Beim Merkmal «Ausbildungskenntnisse» wird beim diplomierten Pflegepersonal nun ein Punkt mehr vergeben als bisher. So landen rund 900 Angestellte in der höheren Lohnklasse. Da für den individuellen Lohn aber auch andere Faktoren wie etwa die Berufserfahrung eine Rolle spielen, ist noch kaum abzuschätzen, wie stark die einzelnen Löhne jetzt steigen werden.

Bei einem heutigen Durchschnittslohn von 6100 Franken monatlich bedeutet die neue Einreihung rund 400 Franken mehr Monatslohn. Bei geschätzten 900 Mitarbeitern in 800 Vollzeitstellen entspricht das den vorher erwähnten Mehrkosten. Da die höhere Entschädigung rückwirkend per April 2004 zu zahlen ist, kommt noch eine saftige einmalige Zahlung dazu.

Die gesamten Verfahrenskosten übernimmt ebenfalls der Steuerzahler. Dazu kommt auch eine reduzierte Parteientschädigung von 25 000 Franken für die Anwältin der klagenden Pflegefachleute.

Ob die Regierung diesen Deal machen kann, ist unklar: Zuständig für diese Einreihung sei der Regierungsrat, und dieser könne das auch in eigener Kompetenz beschliessen. Das Kantonsgericht hingegen hatte deutlich geäussert, dass der Landrat den Vergleich absegnen muss. Würde die Vorlage dort abgelehnt, muss das Kantonsgericht urteilen. Das Gerichtsverfahren ist derzeit genaugenommen lediglich sistiert, teilt das Kantonsgericht mit.

Neue Ausgangslage

In welche Richtung das Kantonsgericht urteilen würde, lässt sich allerdings kaum abschätzen, so dass der Landrat, so er denn etwas zu sagen hat, mit mehr oder weniger Begeisterung den Kompromiss wohl genehmigen dürfte. Auf die Argumente der Regierung darf man dabei gespannt sein: Bislang hatte sie stets argumentiert, man könne keinen höheren Lohn bezahlen, bloss weil bei der Stellenbesetzung vor allem Maturanden bevorzugt würden.

Genau diese in der Praxis oft vorhandenen höheren Ausbildungskenntnisse sind nun im Vergleich der formelle Grund für die bessere Einreihung. Im Communiqué des Personalamtes klingt das ein wenig anders: «Erst im Nachhinein hat sich gezeigt, dass die Aufnahmebedingungen in die Pflegeausbildungen bezüglich schulischer Vorbildung strenger angewendet werden, als dies gemäss Reglement vorgeschrieben ist», argumentiert der Kanton.

Meistgesehen

Artboard 1