Rücktritt

Peter Spuhler: «Wir werden alles unternehmen, um Entlassungen zu vermeiden»

Will sich auf seine Firma konzentrieren: SVP-Nationalrat Peter Spuhler (Archiv)

Will sich auf seine Firma konzentrieren: SVP-Nationalrat Peter Spuhler (Archiv)

Peter Spuhler spricht im Interview über seinen Rücktritt, die Probleme seiner Firma Stadler Rail und den kommenden SBB-Millionen-Auftrag. Und er sagt, dass sein Mandat bei Ausschreibungen ein Nachteil gewesen sei.

Herr Spuhler, Sie treten per Ende Jahr als Nationalrat zurück, um sich stärker auf Ihre Tätigkeit als Unternehmer konzentrieren zu können. Geht es Stadler Rail so schlecht?
Peter Spuhler: Nein, momentan geht es Stadler Rail noch gut. Wir haben eine gute Auslastung und 2012 wird sogar ein Rekordjahr. Auch 2013 sind wir noch gut ausgelastet. Für die Jahre danach ist die Auftragslage - besonders in den Schweizer Werken - jedoch noch tief.


Drohen in der Schweiz Entlassungen?
Wir werden alles unternehmen, um dies zu vermeiden. Aber ganz ausschliessen kann man das nie. Bis jetzt sind wir aber relativ gut durch die Krise gekommen. Nun müssen wir alles geben, damit das auch in Zukunft so bleibt.


Sie treten zurück, obwohl Sie ein Rekordjahr erwarten? Das ist paradox.

In der Bahnindustrie sind die Geschäftszyklen sehr lange. Die Abwicklung eines Auftrags dauert mehrere Jahre. Ich kann deshalb nicht bis 2014 warten und dann merken: «Oh, wir haben ja gar keine Arbeit mehr.» Ich muss bereits heute die Aufträge für die Jahre 2014, 2015 und 2016 akquirieren.


Woran liegt es, dass diese Aufträge bisher ausgeblieben sind?
Wir waren bis jetzt vor allem in Europa tätig - und da ist die Situation wegen der Eurokrise momentan sehr schwierig. Viele Staaten haben die Anzahl der Ausschreibungen deutlich reduziert. Und dort, wo noch Aufträge vergeben werden, haben wir aufgrund des starken Frankens Mühe, bei den Preisen mitzuhalten.


Wie reagieren Sie darauf?
Wir versuchen verstärkt in Märkten ausserhalb Europas Fuss zu fassen. In Indien oder den GUS-Staaten haben wir beispielsweise mehrere heisse Eisen im Feuer und am letzten Sonntag haben wir zusammen mit ABB gerade ein Angebot für einen Auftrag in Südafrika eingereicht.


Wenn Sie diese Aufträge bekommen, bringt das auch den Schweizer Werken etwas?
Auf jeden Fall. Wir legen Wert darauf, dass wir nicht nur Technologietransfer betreiben, sondern zumindest einen Teil immer auch in der Schweiz herstellen. Beim Auftrag in Südafrika wäre beispielsweise die Produktion von rund hundert Zügen in der Schweiz geplant.


Sind die Aussichten gut, dass man in diesen Ländern den Zuschlag erhält?
Unsere Chancen sind sicher intakt. Wir haben ja schliesslich auch schon in Ländern wie den USA, Algerien oder Brasilien Aufträge erhalten und Züge geliefert. Märkte ausserhalb Europas sind für uns deshalb grundsätzlich nichts Neues.

Trotzdem beenden Sie nun Ihre Politkarriere, weil Sie mehr Zeit für Stadler Rail benötigen.
In den letzten Monaten haben wir unsere Anstrengungen auf internationaler Ebene noch verstärkt, um die Abhängigkeit von Europa zu verringern. Das ist mit extrem vielen und vor allem zeitintensiven Reisen verbunden. Unter diesen Umständen hat sich die Doppelbelastung Politik und Unternehmertum nochmals deutlich verschärft.


Mitte April haben die SBB 29 neue Triebzüge für rund 800 Millionen Franken ausgeschrieben. Welche Bedeutung hat dieser Auftrag für Stadler Rail?
Diese Ausschreibung hat natürlich einen sehr hohen Stellenwert für uns. Bis am 7. Dezember müssen wir unser Angebot einreichen und wir glauben, dass wir ein gutes Konzept haben. Bei den letzten zwei SBB-Beschaffungen sind wir leider leer ausgegangen. Dieses Mal hoffen wir, dass es klappt. Einfach wird es aber sicherlich nicht. Im Gegensatz zu unserer Konkurrenz aus dem Euroraum haben wir 70 bis 80 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz und somit mit dem Nachteil des starken Frankens zu kämpfen.


Bedeutet das Ende der Politkarriere, dass Sie weniger Einfluss nehmen können bei künftigen Ausschreibungen?
Das Nationalratsmandat habe ich in der Schweiz bei Ausschreibungen immer als Nachteil empfunden. Ich habe Politik und Firma stets klar getrennt.

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