Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler, ehemaliger SVP-Nationalrat, ahnt Böses für die Schweiz, sollte diese die Personenfreizügigkeit und mit ihr die Bilateralen I über Bord werfen.

Dann würde es zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland kommen. Das sagt der Unternehmer gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Spuhler hat die Masseneinwanderungs-Initiative denn auch verworfen.

Der Ex-Nationalrat warnt allerdings vor Panikmache. Zuerst müsse man nun abwarten, was der Bund mit der EU aushandeln könne.

Dabei sieht Spuhler wenig Spielraum. «Ich glaube nicht, dass wir grosse Chancen haben.» Die EU fürchte das Thema Personenfreizügigkeit wie der Teufel das Weihwasser. «Sie weiss ganz genau, dass bei einer Volksabstimmung in einigen ihrer Staaten ähnliche Resultate zu erwarten sind», erklärt Spuhler.

Wenn die Schweiz aber eine Sonderbehandlung erhielte, würden das andere Länder auch verlangen: Die EU werde dadurch hart bleiben gegenüber der Schweiz.

Freier Marktzugang ist Grundlage

Für Spuhler aber ist klar: Der freie Marktzugang in die EU ist für sein Unternehmen und für alle exportierenden Firmen existenziell wichtig.

Zwei Drittel seiner Produktionsleistungen gingen in den Export, so Spuhler. Mit einer Aufkündigung der Bilateralen steige der Druck, Jobs ins Ausland zu verlagern.

Dazu kommt: Spuhlers Unternehmen ist auf Grenzgänger angewiesen. Im Werk Altenrhein, wo er 1000 Mitarbeiter beschäftigt, sind es über 40 Prozent. Fallen auch diese unter eine Kontigentierung, wird es noch enger.

Wahres «Gift für die Wirtschaft» wäre in den Augen von Spuhler aber die Ecopop-Initiative, de fixe Kontingente vorschreibt.

Zurückhaltung in Abstimmungsfragen

Stellt sich die Frage, wieso der Unternehmer sich nicht stärker in den Abstimmungskampf eingemischt hat.

«Wenn man zurücktritt, sollte man das Feld den Nachfolgern überlassen», sagt er. «Ich habe die Einmischung, speziell auch bei Bundesräten, die zurückgetreten sind, nie goutiert».

Mit dem Umstand, dass er Mitglied jener Partei ist, die das Ansinnen lanciert hat, habe das nicht zu tun.

«Bei wichtigen Themen darf es durchaus in einer Volkspartei auch einmal mehrere Meinungen geben», so Spuhler, der sich als «stolzes SVP-Mitglied» bezeichnet.

Gegen Mindestlöhne

Zurückhalten wird sich Spuhler daher auch bei der anstehenden Abstimmung über den Mindestlohn, den er klar ablehnt.

Der Schuss würde nach hinten los gehen und ebenso die Schwächsten treffen, falls das Volk Ja sage, glaubt der Unternehmer.

Mindestlöhne sollten laut ihm auf der Basis der Sozialpartnerschaft fixiert werden. Es gäbe zu verschiedene Branchen und Regionen in der Schweiz.

«Wir haben einen Firmen-Gesamtarbeitsvertrag, der einen Mindestlohn von 4200 Franken für gelernte Arbeitskräfte festlegt.»

Spuhler argumentiert, dass er darauf angewiesen ist, um qualifizierte Arbeitnehmer zu finden. (tos/rsn)