Gericht

Peter Kneubühl, der renitente Rentner aus Biel, wird verwahrt: Aber für wie lange?

Peter Kneubühl beim Interview im Februar 2020 in seiner Zelle im Regionalgefängnis Thun.

Peter Kneubühl beim Interview im Februar 2020 in seiner Zelle im Regionalgefängnis Thun.

Das Regionalgericht in Biel hat Peter Kneubühl, der vor zehn Jahren sein Haus gegen die Polizei verteidigt hat, zu einer ordentlichen Verwahrung verurteilt. Dennoch kann sich das Gericht vorstellen, dass der 76-Jährige irgendwann freikommt.

Peter Kneubühl verbringt sein Leben in Zelle 006 des Regionalgefängnisses Thun mit einer Hauptbeschäftigung: Er schreibt Briefe. Einen hat er an das Ehepaar adressiert, das seit einer Zwangsversteigerung in seinem Elternhaus wohnt:

Die Drohung liest Markus Gross, Präsident des Regionalgerichts in Biel, am Freitag bei der Urteilsverkündigung vor. Damit begründet er, weshalb das Gericht Kneubühl als Gefahr einstuft und eine ordentliche Verwahrung anordnet.

Seit zehn Jahren sitzt Kneubühl im Gefängnis. 2010 hat er sein Haus gegen ein Grossaufgebot der Polizei verteidigt, einen Angehörigen einer Sondereinheit angeschossen und sich neun Tage lang versteckt.

Peter Kneubühl erzählt, wie er sich vor tausend Polizisten versteckt hat.

Peter Kneubühl erzählt, wie er sich vor tausend Polizisten versteckt hat (Aufnahmen vom Februar 2020)

Wo hat er sein Gewehr versteckt?

Weil eine Therapie in Gefangenschaft gescheitert ist, wird sie nun in eine Verwahrung umgewandelt. Das bedeutet, dass Kneubühl solange eingesperrt wird, bis er nicht mehr als Gefahr eingestuft wird. Gerichtspräsident Gross betont, dass er und seine Kollegen sich eine Entlassung vorstellen könnten, wenn Kneubühl mit den Behörden kooperiere. Dazu müsse dieser ein Geheimnis lüften: Wo hat er 2010 sein Gewehr versteckt? Zudem müsste er einen Beistand der Kesb akzeptieren.

Sein Abendmahl: Peter Kneubühl in seiner Zelle..

Sein Abendmahl: Peter Kneubühl in seiner Zelle..

Die Statistik spricht gegen Kneubühl

Der Richter bezeichnet Medienberichte als Unsinn, wonach eine Verwahrung bedeute, dass der 76-Jährige wahrscheinlich bis zum Tod eingesperrt bleibe. Sinn erhält die Feststellung allerdings durch die Statistik: Nur zwei Prozent der Verwahrten kommen innert zehn Jahren frei. Weshalb hier die Wahrscheinlichkeit anders sein solle, sagt der Richter nicht.

Im Gegenteil: Er zeigt auf, weshalb Kneubühl an einer unverrückbaren Realitätsverkennung leide. Kneubühl glaubt, es werde ein Schattenprozess gegen ihn geführt mit dem Vorwurf, er habe seinen Vater umgebracht und seine Schwester vergewaltigt. Die Akten zeigten aber, dass der Vater eines natürlichen Todes gestorben sei. Und die Schwester beschuldige einzig ihren Vater der Vergewaltigung. Sie vermute, ihr Bruder habe diese mitgekriegt und mache sich deshalb Vorwürfe.

Er erscheint nicht vor Gericht, stattdessen schreibt er einen Brief

Auch zur Urteilsverkündung ist Kneubühl nicht vor Gericht erschienen. Während der Hauptverhandlung sass er in seiner Zelle und schrieb dieser Zeitung einen Brief:

Die Berner Behörden kündigen an, Kneubühls Sondersetting weiterzuführen. Er darf also im Untersuchungsgefängnis bleiben. Hier kann er ungestört seine Briefe schreiben.

Peter Kneubühl erklärt, weshalb er freiwillig im härtesten Haftregime sitzt

Peter Kneubühl erklärt, weshalb er freiwillig im härtesten Haftregime sitzt (Aufnahmen vom Februar 2020)

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