Im letzten Jahr kontrollierten die Kantone auf Geheiss des Bundesamts für Landwirtschaft den Einsatz von Insektiziden beim Weizen- und Kartoffelanbau. Ziel der Aktion war gemäss Bundesamt, den so genannten Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) besser zu überprüfen. Diesen muss jeder Landwirt erbringen, der Direktzahlungen erhalten will.

Der Ökologische Leistungsnachweis sieht neben einer artgerechten Nutztierhaltung und einer ausgeglichenen Düngerbilanz auch vor, dass Pflanzenbehandlungsmittel nur ausgewählt und gezielt eingesetzt werden. Wie Laboranalysen, deren Ergebnisse der az exklusiv vorliegen, zeigen, war dies indes nicht durchgängig der Fall: Von 97 Proben wurden 14 beanstandet, weil entweder nicht bewilligte Wirkstoffe eingesetzt wurden oder solche, deren Verwendung eine Sonderbewilligung erfordert, die aber nicht eingeholt wurde.

Eingesetzt wurde etwa Cypermethrin, das für Wasserorganismen, Fische und Bienen hochgiftig ist. Laut den Anforderungen des Ökologischen Leistungsnachweises ist der Wirkstoff bei Kartoffeln nur mit einer Sonderbewilligung zugelassen, weil es keine Alternative gibt. Bei Weizen, wo das Cypermethrin gefunden wurde, bestehen diese Alternativen jedoch.

Für Bienensterben verantwortlich

In zwei Fällen wurde zudem Thiacloprid gefunden, dessen Einsatz bei Weizen ebenfalls nur mit Sonderbewilligung erlaubt ist, die in beiden Fällen nicht eingeholt wurde. Thiacloprid gehört wie das ebenfalls gefundene Tiametoxam zur Gruppe der Neonicotinoide. Das sind Nervengifte. Das Neonicotinoid Clothianidin, ein Abbauprodukt von Tiametoxam, war im Jahr 2008 im süddeutschen Rheintal für ein massives Bienensterben verantwortlich. Thiacloprid wiederum gilt als grundwasserverschmutzend und eventuell krebserregend. Die Analyse ergab ausserdem, dass ein Bauer den Maiszünsler mit Tebufenozid bekämpfte, obwohl der Wirkstoff dafür nicht zugelassen ist.

Systematische Kontrolle gefordert

Die Umweltorganisation Pro Natura zeigt sich besorgt über die Ergebnisse der Kontrollen. «Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Insektizide, die aus ökologischer Sicht sehr bedenklich sind», sagt Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik. Dass diese bei 14 Prozent der Proben gefunden wurden, zeigt für ihn, dass es eine systematische Kontrolle des Ökologischen Leistungsnachweises braucht. «Und zwar nicht nur für Insektizide, sondern auch für Fungizide und Unkrautbekämpfungsmittel, die die Biodiversität gefährden.»

So weit möchte das Bundesamt für Landwirtschaft nicht gehen. Dennoch gibt man auch dort zu, dass «die Ergebnisse zeigen, dass eine Überprüfung der ÖLN-Anforderungen notwendig ist.» Allerdings schränkt Victor Kessler, Leiter des Fachbereichs Öko- und Ethoprogramme ein, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ seien, da die überprüfte Fläche relativ bescheiden sei und da einige Kantone die Proben zufällig nehmen liessen, andere hingegen gezielt auf Verdacht hin.

Und warum hat der Bund solche Kontrollen nicht bereits früher durchgeführt? Kessler verweist darauf, dass die Kantone für den Vollzug verantwortlich sind.

Zu geringe Strafen

Den fehlbaren Landwirten wurden die Direktzahlungen gekürzt, in einem Gesamtvolumen von 12583 Franken. Zu wenig, wie Pro-Natura-Mann Liner findet. «Bei durchschnittlich 50000 Franken Direktzahlungen pro Betrieb und Jahr machen 900 Franken nicht viel aus.»

In diesem Jahr hat das Bundesamt wieder Kontrollen durchgeführt. Die Resultate liegen noch nicht komplett vor, sagt Kessler. Eines aber liesse sich bereits sagen: «Es wurden viel mehr Sonderbewilligungen beantragt. In diesem Sinne zeigen die Stichproben aus dem letzten Jahr bereits Wirkung.»