Verband
Personeller Aderlass beim VCS – Präsidentin nimmt Geschäftsleiterin in Schutz

Nach drei Rücktritten wird Kritik an der Geschäftsleitung laut: Der Co-Leiterin Caroline Beglinger soll das politischer Gespür fehlen. Die Angeschossene will die Kritik nicht kommentieren, stattdessen nimmt die neue Präsidentin Evi Allemann Stellung.

Stefan Schmid
Drucken
Teilen
Die neue VCS-Präsidentin Evi Allemann

Die neue VCS-Präsidentin Evi Allemann

Keystone

Es rumort innerhalb des einflussreichen Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS): Mit Christophe Siegenthaler verlässt in diesen Wochen erneut ein erfahrener Kampagnenleiter und versierter politischer Kopf den linken Verkehrsverband. Es ist nicht der erste Abgang, der den Verband schwächt. Nebst zwei in der Öffentlichkeit unbekannten Mitarbeiterinnen hatte letztes Jahr die grüne Berner Nationalrätin Aline Trede den Verband verlassen.

Trede arbeitete wie Siegenthaler auf der strategisch wichtigen Abteilung für Verkehrspolitik, wo insgesamt elf Personen beschäftigt sind. Dort war sie massgebend an den VCS-Kampagnen zur öV-Initiative beteiligt, die nach den Beratungen im Parlament zugunsten der Fabi-Vorlage (Finanzierung und Ausbau des öffentlichen Verkehrs) zurückgezogen wurde. Mit Peter Krebs, langjährigem Chefredaktor des VCS-Magazins, verliess zuvor bereits ein anderes Schwergewicht den Verband und machte sich selbstständig.

Die Kündigungen haben direkt zwar nichts miteinander zu tun. Gemeinsam ist gemäss mehreren, voneinander unabhängigen Quellen jedoch die Kritik an Caroline Beglinger. Sie ist Leiterin der politischen Abteilung und seit 8 Monaten zusätzlich Co-Geschäftsführerin des über 100'000 Mitglieder zählenden VCS. Dass zwischen Beglinger und Trede das Geschirr zerschlagen war, wurde bereits im Vorfeld der Wahlen ins VCS-Präsidium im Frühling dieses Jahres publik. Gemäss der Zeitung «Der Bund» soll Beglinger eine Weiterbeschäftigung Tredes als Kampagnenleiterin beim VCS nach deren Nachrutschen in den Nationalrat verhindert haben. Auch soll Beglinger hinter den Kulissen gegen die Wahl Aline Tredes zur VCS-Präsidentin lobbyiert haben.

Jetzt zeigt sich, dass dieses schlechte Einvernehmen kein Einzelfall war. Beglinger verkaufe sich zwar gut. Doch der Marketingfrau gehe das politische Gespür weitgehend ab, sagen interne und externe Kritiker. Es fehlten frische Ideen, strategische Weitsicht und politische Beweglichkeit, um die Anliegen des VCS voranzutreiben. Der Know-how-Verlust in der VCS-Zentrale sei enorm. So sei weit und breit nicht absehbar, wie es nach der Fabi-Abstimmung im kommenden Frühjahr konkret weitergehen soll. «Ich will dem VCS in keiner Weise schaden», sagt ein Insider. Der Verband sei als Gegengewicht zu den bürgerlichen Strassen- und Autoverbänden von grosser Bedeutung. «Doch ich befürchte, dass der VCS mit Beglinger an der Spitze seiner Aufgabe nicht gerecht wird.»

Beglinger will die anonym vorgetragene Kritik nicht kommentieren. Sie selber war in den letzten Wochen wegen einer seit längerem geplanten Operation abwesend und arbeitet erst seit Anfang Woche wieder Teilzeit in der VCS-Zentrale. Die neue VCS-Präsidentin Evi Allemann lehnt einen Kommentar zur Rolle ihrer Geschäftsführerin mit Verweis auf ihre erst dreieinhalbmonatige Amtszeit als Präsidentin ab. «Angesichts dieser kurzen Zusammenarbeit wäre es unseriös, sie oder andere Personen aus dem VCS zu qualifizieren – weder negativ noch positiv, weder intern noch öffentlich», sagt Allemann.

Die Berner SP-Nationalrätin wehrt sich aber gegen Vorwürfe, dem VCS mangle es an politischen Strategien: «Diese Aussage ist nicht nachvollziehbar für all jene, die den Verband aufmerksam und ohne negative (macht)politische Hintergedanken verfolgen.» Nach dem politischen Meilenstein Fabi gehe es nun um den Kampf gegen eine zweite Gotthardröhre, die Verbesserung des schienenbasierten Güterverkehrs und um eine Strassenfinanzierung, welche sich am Verursacherprinzip orientiere.

Zuerst steht nun der Abstimmungskampf zur Autobahnvignette an. Zur Erinnerung: Der VCS beteiligte sich am Referendum, steuerte indes zur Belustigung des rechtsbürgerlichen Komitees gegen die Preiserhöhung nur 1600 der über 100 000 Unterschriften bei.

Aktuelle Nachrichten