Abstimmung S-Bahn Zürich

Peripherie hat keine Geduld mehr

Am 17. Mai kommt in Zürich die Volksinitiative «Halbstündliche S-Bahn für alle» zur Abstimmung.

S-Bach Zürich

Am 17. Mai kommt in Zürich die Volksinitiative «Halbstündliche S-Bahn für alle» zur Abstimmung.

Am 17. Mai kommt die Volksinitiative «Halbstündliche S-Bahn für alle» zur Abstimmung Sollen alle S-Bahnhöfe im Kanton Zürich halbstündlich bedient werden? «Ja», sagt der Kantonsrat – «Ja, sofort», sagen die Initianten des Volksbegehrens, das am 17. Mai zur Abstimmung kommt. Linke und Grüne sind dafür, alle andern Parteien haben die Nein-Parole ausgegeben.

Philippe Klein

Auf dem Streckennetz des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) sollen alle Bahnhöfe mindestens im Halbstundentakt bedient werden. Dies verlangt die kantonale Volksinitiative «Halbstündliche S-Bahn für alle», die am 17. Mai zur Abstimmung kommt. Die Forderung ist unbestritten - nur: Zu welchem Preis soll sie erfüllt werden?

«Mutter» der Initiative ist die Interessengemeinschaft Tösstallinie. Als der ZVV im Jahr 2006 die stündlich verkehrende S43 zwischen Rüti und Wald durch einen Buskurs ersetzte, schlug dies im Tösstal hohe Welle. Zusammen mit Ortssektionen der SP sammelte man Unterschriften für eine «Halbstündliche S-Bahn für alle». Seither fühlen sich das Tösstal, aber auch Teile des Furt- und Glatttals sowie des Weinlandes als Landregionen marginalisiert.

Den Ausbau koordinieren

Den Initianten geht es primär um folgende Teilstrecken:
- die S5 zwischen Oberglatt und Bülach;
- die S26 zwischen Bauma und Rüti;
- die S29 zwischen Seuzach und Stammheim.
Auch der Kantonsrat will dort grundsätzlich den Halbstundentakt einführen. Daher hat er in einem indirekten Gegenvorschlag per 1. März 2009 diese Forderung in der Angebotsverordung festgeschrieben. Die Zahl von heute 163 halbstündlich bedienten S-Bahn-Stationen (93 Prozent) soll demnach bis spätestens ins Jahr 2018 auf 173 anwachsen (98 Prozent). Lediglich die Bahnhöfe Sihlwald, Sihlbrugg und Zweidlen (120 Einwohner) würden davon ausgenommen.

Der Angebotsausbau soll gemäss Kantons- und Regierungsrat unter Einbezug der so genannten vierten Teilergänzung der S-Bahn in den Jahren 2013 bis 2018 vollzogen werden und mit weiteren nationalen Ausbaukonzepten des öffentlichen Verkehrs, zum Beispiel ein Ausbau der Strecke Zürich-Winterthur, koordiniert werden. Ansonsten würden 55 Millionen Franken investiert, die längerfristig nicht sinnvoll zu nutzen wären, sagt der Regierungsrat.

So lange mögen die Initianten aber nicht warten. Sie verlangen eine Einführung innert drei Jahren. Dass man die halbstündliche Erschliessung ihrer Bahnhöfe von anderen Ausbauplänen abhängig machen will, ist ihnen ein zu vages Versprechen. Wie SP-Kantonsrat Marcel Burlet (Regensdorf) dieser Tage vor den Medien ausführte, wurde bereits 1984 eine Volksinitiative mit selbem Inhalt eingereicht.

Damals habe man die Forderung nach Verhandlungen mit dem Kanton zurückgezogen, wie Burlet sagte, «im Vertrauen darauf, dass das Begehren auch so erfüllt werde». In der Folge sei aber nichts geschehen und mehr als 20 Jahre später müsse man die Forderung erneut aufs Tapet bringen. Burlet warnte: «Ein zweites Mal lassen wir uns nicht mehr über den Tisch ziehen.»

Für den Fall, dass die Volksinitiative scheitere, gibt sich Sandro Turcati, Präsident des Initiativkomitees, kämpferisch: «Wir würden sehr genau schauen, ob der Regierungsrat seinen Zeitplan einhält und uns weitere Schritte offen halten.»

Die Parolen

Der Regierungsrat und eine klare Mehrheit des Kantonsparlaments lehnen die Volksinitiative ab. Grüne, SP und Alternative Liste (AL) haben die Ja-Parole beschlossen. Die Nein-Parole haben SVP, FDP, CVP, EVP, EDU und GLP ausgegeben.
Die Grünliberalen beispielsweise, die die Einreichung der Initiative noch unterstützt hatten, sprechen jetzt von einem Volksbegehren, das inzwischen «überflüssig» geworden sei. Mit dem Kantonsratsbeschluss werde der Halbstundentakt auf dem Schienennetz entsprechend ausgebaut und die dafür nötigen Investitionen in Infrastruktur sinnvoll getätigt, wodurch sich die gesamte Realisierung gegenüber der Initiative nur leicht verzögere. (pik/liz)

Meistgesehen

Artboard 1