Tierhandel
Per Mausklick zum Hund

Der Einkauf von Hunden übers Internet nimmt rasant zu. Die aus dem Ausland importierten Hunde aber sind häufig krank. Auch ist damit viel Tierleid verbunden. Nun gibt es Bestrebungen, Tierinserate aus dem Ausland ganz zu verbieten.

Karen Schärer
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Letztes Jahr kauften Schweizer 20 687 Hunde im Ausland ein. Das sind 43,9 Prozent der im Jahr 2012 neu registrierten Hunde in der Schweiz.

Die Zahlen stammen aus dem noch unveröffentlichten Geschäftsbericht der Heimtierdatenbank ANIS; publiziert hat sie gestern die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Am häufigsten wurden, wie schon in den Vorjahren, Chihuahuas importiert: 1734 an der Zahl. Vier Pfoten hält alarmiert fest, dass der Import von Hunden gegenüber dem Vorjahr damit um 23 Prozent angestiegen ist.

Import und «illegaler Welpenhandel» seien eng verknüpft, heisst es in einer Mitteilung: Welpen aus dem Ausland stammten häufig aus Massenproduktionszentren, wo sie unter entsetzlichen Bedingungen gehalten und schon nach wenigen Wochen von der Mutter getrennt würden.

Für das Bundesamt für Veterinärwesen bedeutet ein Anstieg der Importe nicht automatisch auch einen Anstieg der illegalen Einfuhr: «Wir hoffen, dass verschiedene Massnahmen dazu führen, dass dies nicht so ist», sagt Mediensprecherin Regula Kennel.

Man informiere über die Gefahr der Einschleppung von Krankheiten bei der illegalen Einfuhr. Zudem wurde im neuen Tierseuchengesetz der sogenannte Hausierhandel (also beispielsweise der Verkauf von Junghunden auf Parkplätzen) verboten. Das Verbot gilt ab dem 1. Mai 2013.

Viele Hunde sind krank

Doch hausiert wird mit Hunden in der Schweiz ohnehin nur noch selten. «Der ganze Handel hat sich auf Gratisinserateplattformen im Internet verlagert», sagt Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz (STS).

«Man muss sich nur die vielen Inserate anschauen. Die meisten dieser angebotenen Tiere stammen aus Massenzuchten.»

Sandmeier präzisiert: Wird ein Hund im Internet gekauft, legal über die Grenze gebracht und mit den notwendigen Papieren in der Schweiz registriert, sei das nicht illegal. «Es ist jedoch oftmals mit viel Tierleid verbunden.»

Tierärztin Julika Fitzi behandelt in ihrer Praxis vermehrt Hunde aus dem Ausland. Sehr häufig seien sie in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. «Sie sterben trotz Behandlung. Die Zunahme an kranken Hunden aus dem Ausland ist ein Anzeichen für stärkeren Internethandel», sagt Fitzi, die die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte präsidiert.

Die Ärztin erklärt, warum die Tiere in solch schlechtem Zustand sind: Die Welpen werden den Mutterhündinnen viel zu früh weggenommen.

Säugt die Hündin ihre Jungen nicht mehr, kann sie sehr rasch wieder trächtig werden. Eine Hündin aus kontrollierter Zucht hat hingegen in der Regel nur einen Wurf im Jahr.

Die Welpen haben aufgrund der frühen Trennung ein sehr schwaches Immunsystem. «Falls sie wirklich geimpft wurden, wie dies in den Papieren der Händler steht, ist ihr unausgereiftes Immunsystem vielfach trotzdem nicht in der Lage, ausreichenden Schutz gegen Krankheiten aufzubauen», sagt Fitzi.

Handtaschenhunde gefragt

Anreize dafür, übers Internet einen Hund zu kaufen, dürften einerseits der Preis sein und andererseits die Verfügbarkeit. In der Schweiz ist kein Rassehund unter 1000 Franken zu haben.

Ein reinrassiger Chihuahua kostet in der Schweiz bis zu 2000 Franken. Wer im Internet einen Hund kauft und ihn irgendwo an der Grenze oder auf einem Rastplatz in Empfang nimmt, hat vielleicht nur 400 Euro ausgegeben.

Die Nachfrage nach Kleinhunden wie Chihuahuas übersteigt bei Weitem das inländische Angebot. Kleine Hunde haben pro Wurf nur wenige Welpen: Damit verlängern sich die Wartezeiten.

«Solche Hunde sprechen ein Publikum an, das sein Bedürfnis nach einem Konsumartikel sofort befriedigen will. Der Hund ist für sie ein Modeartikel, den sie sofort haben müssen», sagt Verena Ammann, Geschäftsführerin der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft.

Die Leute kauften ihren Chihuahua im Internet ohne Rücksicht darauf, wo er herkommt. «Für die Hunde ist es ein grosses Elend, dass sie so in Mode sind», sagt Ammann.

Diese Woche hat SP-Nationalrat Daniel Jositsch (ZH) einen Vorstoss zum Import von Hunden eingereicht. Er regt an, eine Bewilligungspflicht für die Einfuhr von Hunden zu prüfen.

«Es ist stossend, wenn man die Praktiken des internationalen, rein kommerziell orientierten Hundehandels ungehindert zulässt», sagt er.

Beim Schweizer Tierschutz unterstützt man die Idee einer Bewilligungspflicht. Der STS will aber nicht nur beim Tierhalter ansetzen, sondern auch bei den Betreibern der Schweizer Internet-Inserateplattformen: Der STS fordert, dass Tierinserate aus dem Ausland ganz verboten werden. Die Betreiber hätten zudem die Pflicht, ihre Plattformen von unseriösen und illegalen Angeboten mit lebenden Tieren freizuhalten.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten wiederum arbeitet darauf hin, dass in allen europäischen Ländern die Kennzeichnung und Registrierung von Hunden Pflicht wird.

In der Schweiz müssen seit 2007 alle Hunde mit einem Mikrochip markiert sein und in der Hundedatenbank ANIS registriert sein. Die Datenbanken der verschiedenen Länder müssten kompatibel werden, um europaweit eine verantwortliche Zucht und Haltung von Hunden zu erreichen, schreibt Vier Pfoten.

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