Flüchtlingshelfer

Paul Grüninger-Brücke über den Rhein als Zeichen der Erinnerung

Das Grab von Paul Grüninger und seiner Frau Alice auf dem Friedhof in Au im Kanton St. Gallen (Archiv)

Das Grab von Paul Grüninger und seiner Frau Alice auf dem Friedhof in Au im Kanton St. Gallen (Archiv)

In Jerusalem, Wien, St. Gallen und Zürich sind seit einigen Jahren Plätze, Strassen, eine Schule und ein Fussball-Stadion nach ihm benannt. Nun soll auch eine Brücke über den Rhein an den St. Galler Flüchtlingshelfer Paul Grüninger erinnern.

Dies fordert Kantonsrat Meinrad Gschwend (Grüne, Altstätten) in einer Einfache Anfrage, die er am Montag einreichte. Darin fragt Geschwend die St. Galler Regierung an, ob sie bereit ist, zusammen mit dem Land Vorarlberg eine Brücke über den Rhein offiziell in "Paul Grüninger Brücke" zu benennen.

Die Vorarlberger Grünen richten den gleichen Appell in einem Brief an die Vorarlberger Landesregierung. Vor 25 Jahren wurde der Verein Jüdisches Museum Hohenems gegründet und vor 20 Jahren öffnete das Museum seine Tore. Diese Jubiläen veranlassten die Grünen zum Vorstoss, sagte Gschwend.

Für die Grünen Vorarlberg und die Grünen im St. Galler Rheintal ist Rheinbrücke zwischen Diepoldsau und Hohenems der ideale Ort der Erinnerung an den mutigen St. Galler Polizeikommandanten. Die Taufe soll am 22. Februar 2012, dem 40. Todestag Grüningers, stattfinden.

Späte Wiedergutmachung

Der St. Galler Polizeikommandant Hauptmann Paul Grüninger (1891-1972) rettete im St. Galler Rheintal an der Grenze zu Österreich in den Jahren 1938 und 1939 einige tausend jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung.

Trotz schweizerischer Grenzsperre nahm er sie in St.Gallen auf, missachtete die Weisungen des Bundes und übertrat auch Gesetze, um die Flüchtlinge zu schützen.

1939 wurde er von der St. Galler Regierung fristlos entlassen. 1940 wurde er vom Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Paul Grüninger wurde verfemt und später vergessen. Bis zu seinem Tod lebte er in Armut.

Erst in den 1990er Jahren setzten Bestrebungen ein, den Flüchtlingshelfer zu rehabilitieren. 1995 wiederholte das Bezirksgericht St.Gallen den Prozess und sprach Paul Grüninger nachträglich von allen Vorwürfen frei.

1998 stimmte das Kantonsparlament einer materiellen Wiedergutmachung zu. Der gesamte Betrag wurde von den Nachkommen des Hauptmanns in die Paul Grüninger Stiftung eingebracht.

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