Bundespräsident Ueli Maurer konnte die Gemüter der Flugzeugfans ein wenig besänftigen: Die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse wird auch nach der Ausmusterung des Tiger-Kampfjets 2016 noch vor Publikum fliegen, wie er im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte. Für Walter Hodel, Aviatik-Journalist und Sprecher des Patrouille-Suisse-Fanclubs, ist das unbestritten eine gute Nachricht. Zumal Maurer in Aussicht gestellt hat, dass anstatt der Tiger nun F/A-18 oder Gripen-Jets an Flugshows fliegen werden. «Das ist noch spektakulärer, weil die Flieger grösser sind und mehr Power haben.»

Aufgabe steht über der Ästhetik

Allerdings dämpfte Maurer den Enthusiasmus mit einer anderen Ankündigung: Anders als bisher werden die Flieger nicht in Rot, sondern in der klassischen Kampfjet-Tarnfarbe durch die Lüfte jagen - grau. Dass die Flieger nicht mehr rot bemalt und mit grossem weissem Kreuz auf dem Bauch fliegen werden, begründete Maurer mit der Redimensionierung der Luftwaffe. Sie schrumpft seit Jahren. Militärisch könne man sich bunte Kampfjets deshalb nicht mehr leisten, sagte Maurer. «Ein angemalter Gripen im Luftpolizeidienst ist komplett unglaubwürdig.»

Quelle: youtube/Liam Zimol

Die Patrouille Suisse im Einsatz

Manche Fans bemängeln, dass so die Präzisionsarbeit der Luftwaffe nicht mehr auf Anhieb als schweizerisch erkannt werden könne. Die Luftwaffe sei die Visitenkarte der Armee, sagt auch Hodel. Trotzdem verstehe er Maurers Argumente - auch wenn ihn der «plötzliche Sinneswandel» etwas überrascht habe. Über die Abschaffung der Patrouille Suisse sei nicht leichtfertig zu entscheiden. Klar sei indes, dass der Auftrag der Luftverteidigung über jenem der Ästhetik stehe. Die Flugzeuge seien der Aufgabe entsprechend zu bemalen. Also in Grautönen.

Thomas Fuchs: «Hanebüchen»

Das sieht der ehemalige Berner SVP-Nationalrat Thomas Fuchs anders. Der Präsident der konservativen Vereinigung Pro Libertate verkündete noch vor drei Tagen, die Abschaffung der Patrouille Suisse sei inakzeptabel. Nötigenfalls werde er eine Volksinitiative lancieren, um die Patrouille Suisse zu erhalten. Gestern sagte Fuchs, er habe erwartet, dass Ueli Maurer seine Meinung ändere. Dass er die Jets nicht mehr in den Schweizer Nationalfarben starten lassen wolle, sei indes «hanebüchen». Fuchs: «Für die Überwachung des Luftraums muss ein Flugzeug doch nicht grau sein.»

Fuchs vermutet hinter der Kommunikation von Maurer ein politisches Spielchen und verkennt wohl den Ernst der Lage. Denn viel Spielraum bleibt nicht. Auch Laurent Savary, Sprecher der Luftwaffe, sagt, die Farbe von Kampfjets sei diskret zu halten. «Es ist weltweit so, dass die Flieger der Luftwaffe getarnt und nicht so gut sichtbar sind.» Für Fuchs, der den Rang eines Obersts bekleidet, unverständlich: «Wir fliegen ja keine Geheimflüge in der Schweiz. Ob ein Flieger ein Schweizer Kreuz auf dem Bauch hat oder nicht, spielt keine Rolle.» Im Gegenteil sollten die Flieger nicht möglichst anonym sein, sondern das Schweizer Kreuz in die Welt hinaustragen. Selbst für den Ernstfall wäre ein bemalter Flieger für Fuchs kein Problem.

Das Ergrauen der Patrouille Suisse bedeutet eigentlich eine Rückkehr zu ihren Wurzeln: Als sie an der Expo 1964 erstmals in Vierer-Formation am Schweizer Himmel auftauchte, waren die Flieger grau. 1991, zur 700-Jahr-Feier, wurden die Kampfjets an der Unterseite Rot-Weiss bemalt. Mit der Ausmusterung der Hunter-Jets 1994 stand das Ende der Fliegerstaffel erstmals zur Diskussion. Dann übernahm der Tiger - ganz in Rot.