Wer unter multipler Sklerose, Parkinson oder schweren Aids- und Krebskrankheiten leidet, lindert die Schmerzen oftmals mit cannabishaltigen Produkten. Zahlreiche medizinische Studien beweisen deren Zweckmässigkeit. Doch für viele Patienten ist der Kauf von THC-haltigen Produkten ein Spiessrutenlauf.

Nach geltendem Recht dürfen Ärzte ihre Patienten zwar mit Arzneimitteln behandeln, die auf Cannabis basieren, es bedarf dafür allerdings einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Ärzte müssen nachweisen, dass die Krankheit die Lebensqualität ihrer Patienten schwer beeinträchtigt, andere Therapien keinen Erfolg gebracht haben und die Verbesserung durch THC wissenschaftlich belegt ist. Pro Woche erhalten rund zehn Personen eine solche Genehmigung, wie das BAG mitteilt.

Tendenz steigend

Margrit Kessler, St. Galler GLP-Nationalrätin und Präsidentin der Stiftung Patientenschutz, möchte dies nun ändern. Der Bundesrat soll prüfen, unter welchen Umständen natürliches Cannabis als Alternative zu synthetisiertem Cannabis verschrieben werden kann, fordert sie in einer Motion. Das Ziel: Patienten sollen THC-haltige Produkte unbürokratisch in der Apotheke beziehen können.

Kessler wurde zugetragen, dass zumeist ältere Personen mit den entsprechenden Krankheiten ihre Enkel beauftragen, um Cannabis auf der Strasse aufzutreiben. «Das darf doch nicht sein. Es ist unwürdig – und die Qualität des Stoffes ist oft zweifelhaft», sagt sie. Eine allgemeine Hanflegalisierung bezwecke sie mit dem Vorstoss aber keinesfalls.

Die Antwort des Bundesrats steht noch aus. Sofern das Begehren nicht ideologisch aufgeheizt wird, könnte es auf parlamentarischem Weg durchaus Chancen haben – Kesslers Motion haben Politiker aus allen grösseren Parteien mitunterzeichnet.