Der Agentenkrimi um den Schweizer Spion Daniel M. wird immer abenteuerlicher. Gestern wurde bekannt: Im Haftbefehl des deutschen Bundesgerichtshofs steht, dass M. einen Maulwurf im Umfeld des nordrhein-westfälischen Finanzministers Norbert Walter-Borjans eingeschleust habe.

So wollte der Schweizer Nachrichtendienst (NDB) versuchen, «unmittelbare Informationen über das Vorgehen der deutschen Behörden beim Ankauf sogenannter Steuer-CDs zu erlangen».

Als Helfer von M. wird im Haftbefehl, der auch der «Nordwestschweiz» vorliegt, der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke präsentiert. Matschke ist ein altgedienter und mit allen Wassern gewaschener «Spezialist für schwierige Ermittlungen», der sich vor Jahren unter anderem als «Jäger von Stasi-Agenten» in Deutschland einen Namen machte.

«Aktion Wasserschlag»

Dieser Matschke, kurz KDM, wäscht seine Hände in Unschuld. Im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» nennt er die Aktion der deutschen Bundesanwaltschaft, die in einer Hausdurchsuchung in den Büros seiner Firma KDM Sicherheitsconsulting gipfelte, die «Aktion Wasserschlag».

Insgesamt 50'000 der total 90'000 Euro, die M. vom NDB erhalten hat, sollen an Matschke geflossen sein. 10'000 Euro soll er als Honorar erhalten haben. 40'000 Euro soll der Deutsche als «Motivationszahlungen» an «bislang unbekannte Personen weitergeleitet» haben, die an der Operation beteiligt gewesen sein sollen. So steht es, gestützt vorwiegend auf Angaben von M., im deutschen Haftbefehl.

Matschke sagt zur «Nordwestschweiz»: «Ich habe kein Geld gekriegt, keinen müden Euro.» Richtig sei allerdings: «M. war vor Jahren hier bei mir, und ich habe mich mit ihm über die Schweizer Steuer-CDs unterhalten. Er hat mich gefragt: Wie würdest Du da vorgehen? Dann haben wir philosophiert, was man machen könnte. Ende. Ansonsten habe ich mit der ganzen Geschichte nichts zu tun, aber auch nicht den Hauch», beteuert Matschke.

Und: «Ich kenne niemanden in Nordrhein-Westfalen im Finanzministerium oder in der Steuerfahndung, ich habe niemals mit irgendjemandem telefoniert. Ich habe überhaupt nichts getan in dieser Richtung.»

Geht es nach Matschke, dann gibt es gar keinen Maulwurf. Den hat Daniel M. erfunden. Die Sache mit den Steuerfahndern sei wohl die erste gewesen, die M. für den NDB erledigt habe. «Denn er wurde, wie ich gelesen habe, erst 2012 angeworben. Ich glaube, er musste einen Erfolg produzieren, um dort weiter angesehen zu sein. Das ist es, was ich vermute.» Also habe M. wohl den «Erfolg» mit der eingeschleusten Quelle bei Norbert Walter-Borjans produziert. Matschke vermutet: «Und M. sagte, um seine Ausgaben zu rechtfertigen, das Geld sei in einen Maulwurf investiert worden.»

Daniel M. kenne er vermutlich seit 2012, sagt Matschke. «Er ist mein Kooperationspartner für die Schweiz. Wenn wir in der Schweiz etwas haben, dann kriegt er das. Wenn er was in Deutschland hat, dann bearbeiten wir das für ihn. Immer nur im Auftrag für Kunden, nichts anderes.»

Dabei sei er ein guter Kooperationspartner gewesen. «Die Sachen, die wir bearbeitet haben, waren keine grossen Dinger. Ich denke, man kann ihn als zuverlässig bezeichnen.» Ist M. ein Hochstapler? Matschke zögert: «Mit Blick auf das, was ich jetzt weiss, kann ich das nicht mehr beurteilen.» Will heissen, früher hielt er M. nicht für einen Hochstapler, jetzt ist er aber nicht mehr sicher.

«Absolut gewinnender Typ»

Laut Matschke ist Daniel M. ein «sehr sympathischer, absolut gewinnender Typ. Er wirkt total seriös, ein typischer Schweizer eben.» Hatte er finanzielle Probleme? «Soviel ich weiss, waren seine Konten eingefroren bei dem Verfahren von Anfang 2015 in der Schweiz.»

Matschke will erst im Lauf des Jahres 2015 erfahren haben, dass Daniel M. für den NDB arbeitet. Und zwar, weil der Schweizer monatelang nicht erreichbar war, weil er bei der Schweizer Bundesanwaltschaft in Haft sass. Der Deutsche glaubt, dass M. ihn ganz gezielt ausgewählt hat als «Zeuge für die Einsetzung des Maulwurfs: «Er wollte jemanden haben, bei dem vom Schweizer Dienst niemand nachhakt. Das war bei mir so: Ich habe keine Kontakte zum Schweizer Nachrichtendienst.»