Bundesrat
«Partir, c'est mourir un peu»– «Ein bisschen wie sterben»: So verabschiedet sich Didier Burkhalter

«Machen Sie weiter wie bisher und kultivieren Sie weiterhin den Respekt»: Mit diesen Worten hat sich Bundesrat Didier Burkhalter verabschiedet und der Schweizer Bevölkerung, den Institutionen und dem Parlament gedankt.

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Mit ganzem Herzen habe er das Amt des Bundesrates ausgeübt, sagte Burkhalter am Mittwoch vor der Vereinigten Bundesversammlung. Dabei habe er sich dafür eingesetzt, dass die Schweizer Werte rund um die Welt respektiert würden: Die Werte von Dialog und Frieden, der Menschenrechte, des Engagements für die Umwelt und gegen die Armut.

Weltweit habe er viel Not gesehen, aber auch Hoffnung, und «das dank der Schweiz, den Schweizerinnen und Schweizern und den Parlamentarierinnen und Parlamentariern», sagte der scheidende Aussenminister. Die grösste Stärke der Schweiz für die Zukunft liege in ihrer Solidarität. «Machen Sie weiter so.»

Stürmische Zeiten

Respekt war das Leitthema von Burkhalters Rede. Ein Schweizer Geheimnis sei, dass jede Mehrheit ein Bewusstsein für den Respekt für Minderheiten erhalte. Burkhalter bekannte sich auch zum Kollegialitätsprinzip der Regierung: Die Einigung und die Annäherung der Standpunkte bringe das Land durch stürmische Zeiten.

Mit einem Dank an seine Gattin Friedrun Sabine und seine Familie schloss der sichtlich gerührte Burkhalter seine Rede.

Jürg Stahl wird «persönlich»

Im Aussendepartement (EDA) sei Burkhalters Persönlichkeit so richtig zur Geltung gekommen, sagte Stahl: Seine Fähigkeit, persönliche Beziehungen aufzubauen, und sein Redetalent seien ihm bei den schwierigen aussenpolitischen Herausforderungen seiner Amtszeit sehr zugute gekommen.

In der Ukraine-Krise habe Burkhalter die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch gebracht, sagte Stahl. Er erwähnte auch die Atomgespräche mit dem Iran sowie die Friedensverhandlungen für Syrien, Jemen und Zypern in Genf.

In der Europapolitik habe sich Burkhalter für enge Beziehungen mit der EU eingesetzt. Nach der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative habe er den Bundesrat dazu gedrängt, die Einwanderung besser zu kontrollieren, ohne auf den Ausbau der Beziehungen mit der EU zu verzichten.

«Diplomatie des Herzens»

Stahl würdigte ferner Burkhalters Auftritte im Parlament. «Während der Debatten in den eidgenössischen Räten hast du nie mit lyrischen Exkursen gegeizt, um uns zu überzeugen», sagte der Nationalratspräsident zu Burkhalter. Die Ratsmitglieder hätten gerne zugehört. «Erinnern werden wir uns aber vor allem an dein Engagement, deine Herzlichkeit und deine Hochachtung vor den Institutionen unseren wunderschönen Landes.»

Didier Burkhalter habe eine «Diplomatie des Herzens und der Nähe» gepflegt, fuhr Stahl fort. Das zeigten Fotos wie jenes, das ihn mit seiner Frau Friedrun zwischen dem Ehepaar Obama zeige oder das Bild, auf dem er mit dem damaligen US-Aussenminister John Kerry am World Economic Forum (WEF) in Davos herumscherze.

Wie ein gewöhnlicher Reisender

Für Begeisterung in sozialen Netzwerken habe aber auch das Bild gesorgt, das Burkhalter am Bahnsteig zeige, wie er auf den Zug warte, ohne Bodyguards, wie ein ganz gewöhnlicher Reisender. Stahl zitierte dazu Burkhalter, der gesagt habe: «In der Schweizer Politik sind die Institutionen wichtiger als die Politiker.»

Damit ein Land gedeihen könne, brauche es eine solide Basis, aber auch Menschen voller Überzeugungen, sagte Stahl. Burkhalter sei einer dieser Menschen, und die Bundesversammlung sei ihm dafür dankbar. Für die Zukunft wünschte der Nationalratspräsident Burkhalter alles Gute und viele glückliche Stunden mit seiner Familie. (SDA)