Lilly-Anne Brugger

In Magden hat die erst 22-jährige, parteilose Biologielaborantin Rita Stalder den Sprung in den Gemeinderat geschafft und damit die SVP verdrängt. In Möhlin eroberte Thomas Freiermuth als parteiloser Kandidat den Sitz, den bisher die SP innehatte, und in Kaiseraugst setzte sich mit Françoise Moser ebenfalls eine Parteilose gegen Kandidaten der SP und der SVP durch.

Auch im oberen Fricktal gibt es ähnliche Beispiele: In Kaisten-Ittenthal erreichte der parteilose Kandidat aus Ittenthal, Stefan Moser, die höchste Stimmenzahl, und in Gipf-Oberfrick hat Andreas Schmid als Parteiloser das Amt des Gemeindeammanns inne; er wurde für die nächste Amtsperiode mit einem Glanzresultat bestätigt.

Wunsch nach Parteianschluss

Diese Entwicklung findet Peter Frick, Bezirksparteipräsident der FDP Rheinfelden, problematisch (Leserbrief in der AZ vom 1. Oktober): «Ich würde mir wünschen, dass auch Gemeinderäte, Mitglieder der Schulpflegen oder sonstiger Kommissionen sich einer Partei anschliessen.» Frick sieht darin einen grossen Vorteil für die Wähler, «denn der Wähler kann so immerhin eine gewisse Grundhaltung der Politiker vermuten oder erkennen». Diese Meinung vertreten auch andere Präsidenten der Fricktaler Bezirksparteien.

Während in den einen Gemeinden die parteilosen Kandidaten den etablierten Parteien einen Gemeinderatssitz wegschnappen, zeigt sich in vielen anderen Gemeinden ein anderes Bild. Dort fehlten am Wahlsonntag genügend Kandidaten, die sich für den Gemeinderat zur Verfügung stellten. In Wegenstetten beispielsweise traten nur vier (parteilose) Kandidaten zur Wahl an. Dieselbe Situation zeigte sich auch in Schwaderloch und in Herznach. In Münchwilen stellten sich gar nur drei Offizielle zur Wahl.

Auch in Hornussen fehlten beim ersten Wahlgang am 30. August genügend Gemeinderatskandidaten, nachdem der bisherhige Gemeinderat geschlossen den Rücktritt erklärt hatte. Für die erste Runde hatten sich 4 Kandidaten angemeldet, gewählt wurden schliesslich deren 3.

Kollegalitätsprinzip wichtiger

Alle diese erwähnten Gemeinden verfügen über keine Ortsparteien oder zumindest über keine mehr, die organisiert sind. Zwar weiss man, wer für welche Partei die Ansprechperson ist, und von diesem oder jenem Gemeinderatsmitglied ist die persönliche politische Ausrichtung bekannt. Doch in einer Gemeindeexekutive wäre es ohnehin sehr schwierig, nach parteipolitischen Kriterien zu agieren. Dort zählt viel mehr das Kollegialitätsprinzip.

Dementsprechend schwierig ist es, für die Kommissionen und den Gemeinderat genügend Kandidaten zu finden (Beispiele: Wölflinswil und Oberhof). Doch häufig übernehmen in diesen Dörfern die Vereine die Funktion der Parteien und portieren einen Kandidaten aus ihrer Mitte. Farbe ins Geschehen bringen vor den Wahltagen so genannte Wahlkomitees, welche die Funktion eines Bindeglieds zwischen der Wählerschaft in der Gemeinde und den potenziellen Kandidatinnen und/oder Kandidaten übernehmen. Solche Komitees, wie es beispielsweise in Schupfart eines gab, sorgen für etwas Salz in der Suppe.